Versteckte Skitouren-Schätze im Schatten des Großglockners

Der Freiheit auf der Spur • enthält Werbung

In Osttirol ragen 266 Dreitausender in den Himmel. Und einer zieht unweigerlich die meiste Aufmerksamkeit auf sich: der Großglockner. Klar, der höchste Berg Österreichs ist auch im Winter ein beliebtes Ziel für Alpinistinnen und Alpinisten. Aber direkt rundherum wartet eine Bergwelt, die viel leiser ist – und mich genau deshalb fast noch mehr beeindruckt hat.

Im März 2026 durfte ich rund um den Großglockner zwei ruhigere Skigipfel entdecken – und ehrlich gesagt haben sie mir fast noch besser gefallen als meine drei Besteigungen des Glockners. Denn im Schatten des höchsten Berges von Österreich zeigt Osttirol im Winter eine andere, stillere Seite: weite Hochtäler, einsame Gletscherflächen und Gipfel, von denen kaum jemand spricht, obwohl sie großartige Skitouren bieten. Genau solche Touren suche ich immer – und habe sie am Romariswandkopf und am Weißen Knoten gefunden.

Romariswandkopf (3.511 Meter)

Sprachlos: schöner geht's kaum
Bei der Skitour auf den Romariswandkopf ist man wortwörtlich im Schatten des Glockners unterwegs

Viel näher kommt man dem Großglockner auf Ski nicht, ohne direkt auf seinen Gipfel zu steigen. Schon der Weg zum Fuß des Romariswandkopfs über das Teischnitzkees und Fruschnitzkees ist gewaltig. Die Route führt direkt unter der mächtigen Westflanke des Großglockners entlang. Allein dieser Blick nach oben hat etwas Ehrfurchtgebietendes.

Die Blicke hoch zum Großglockner sind von allen Perspektiven imposant
Die Blicke hoch zum Großglockner sind von allen Perspektiven imposant

Spätestens am 3.511 Meter hohen Gipfel des Romariswandkopfes wird daraus dann ein 360-Grad-Panorama, das man so schnell nicht mehr vergisst. Die Abfahrt über den weiten Gletscher hat der Tour dann endgültig einen Platz in meinen absoluten Highlights gesichert.

Skitour: Abfahrt vom Romariswandkopf (3.511 m)

Mit dem Aufruf des Videos erklärst du dich einverstanden, dass deine Daten an YouTube übermittelt und Cookies gesetzt werden und dass du die Datenschutzerklärung gelesen hast.

Mit rund 1.550 Höhenmetern und beinahe 18 Kilometern ist der Romariswandkopf keine kleine Unternehmung. Deshalb haben wir die Tourauf zwei Tage aufgeteilt: Am ersten ging es vom Lucknerhaus hinauf zur Stüdlhütte, am zweiten weiter auf den Gipfel und wieder zurück ins Tal. So artet die Tour nicht zu einem Gewaltmarsch aus, sondern bleibt ein Erlebnis, das viel Zeit zum Staunen und Genießen lässt. Und eine Nacht auf der Stüdlhütte finde ich sowieso immer eine coole Sache 🙂 .

Unterschätzen darf man die Unternehmung trotzdem nicht. Steilere Passagen mit etwa 35 bis 40 Grad verlangen saubere Spitzkehren, der Gipfelgrat Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Dazu kommt die lange Gletscherpassage, für die entsprechendes Wissen rund um Seil- und Rettungstechnik nötig ist. Wer sich damit nicht wirklich wohlfühlt oder sich voll und ganz auf die Tour konzentrieren möchte, ist mit einem Bergführer bestens beraten. Die Osttiroler Bergführer sind hier eine gute Adresse.

Die letzten Meter bevor der Gletscher beginnt
Eine der beeindruckendsten Kulissen, in denen ich je unterwegs war

Weißer Knoten (2.878 Meter)

Tolle Aussicht in die Osttiroler Bergwelt
Der Gipfel des Weißen Koten eröffnet eine tolle Aussicht in die Osttiroler Bergwelt

Etwas kürzer, aber fast genauso lohnend, war für mich unsere zweite Skitour auf den Weißen Knoten. Gerade weil er nicht ständig in einem Atemzug mit Klassikern wie dem Bösen Weibl oder dem Figerhorn genannt wird, haben ihn viele nicht richtig auf dem Schirm.

Blick von der Forststraße ins Teischnitztal
Blick von der Forststraße ins Teischnitztal

Los geht es zunächst recht entspannt über eine Forststraße und einen breiten Südhang. Danach dient ein Taleinschnitt als Tor in ein weites Kar, das wie gemacht scheint für Skitouren. Jetzt wird die Landschaft mit jedem Höhenmeter schöner. Die Spur zieht links haltend unter die markante Südflanke des Weißen Knotens, dann geht es über eine kurze Steilstufe hinauf auf den aussichtsreichen Rücken.

Weiter ging's zu Fuß
Auch ein schöner Rücken kann entzücken

Von dort ergibt sich der weitere Weg von selbst. Je nach Verhältnissen richtet man früher oder später ein Skidepot ein, bevor die letzten Meter zu Fuß durch zunehmend steileres, felsdurchsetztes Gelände zum Gipfel führen.

Das Gelände wird im oberen Bereich immer felsdurchsetzter
Der Weiße Knoten beeindruckt mit einem alpinen Finale

Mit knapp 1.000 Höhenmetern ist der Weiße Knoten eine Tour, die sich gut an einem Tag machen lässt. Besonders schön wird die Runde, wenn man sich – wie wir – für den Rückweg noch ein wenig Extrazeit nimmt und einen kleinen Gegenanstieg zur Glorer Hütte einplant. Nach einer Einkehr macht die Abfahrt über die ideal geneigten Hänge und durch das Kar gleich doppelt Spaß.

Blick vom Rücken in das schöne Kar; die Glorer Hütte liegt links im Sattel hinter den Felsen
Blick vom Rücken in das schöne Kar; die Glorer Hütte liegt links im Sattel hinter den Felsen

Technisch sollte man auch diese Tour nicht auf die leichte Schulter nehmen. In der Steilstufe braucht es solide Spitzkehren und auch hier sind im Gipfelbereich Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt. Was ich an der Tour mag: Wenn sich das Gipfelfinale nicht gut anfühlt oder die Verhältnisse dagegen sprechen, lässt sich die Runde unkompliziert anpassen – und die Glorer Hütte wird zum entspannteren Alternativziel

Wenn es die Lawinenlage zulässt, kann man vom Weißen Knoten relativ hoch und nur einem kurzen Gegenanstieg zur Hütte queren
Die Glorer Hütte bietet sich für eine Einkehr an

Lucknerhaus und Stüdlhütte als perfekte Basecamps

Offizieller Startpunkt der Tour: der LVS-Checkpoint beim Lucknerhaus
Die Skitouren starten hier direkt vor der Haustür des Lucknerhauses

Am Ende der Kalser Glocknerstraße liegt mit dem Lucknerhaus der beste Ausgangspunkt für winterliche Tage rund um den Großglockner. Von hier starten Touren wie jene auf den Romariswandkopf oder den Weißen Knoten direkt vor der Tür. Und mindestens genauso schön ist das Gefühl, nach einem langen Tag wieder zurückzukommen: in gemütliche Zimmer, in die Sauna und an einen Ort, an dem Gastfreundschaft nicht nur ein Wort ist.

Der spektakuläre Blick zurück zur Stüdlhütte
Die Stüdlhütte liegt einfach bilderbuchreif in Osttirols Bergwelt

Wer höher hinaus will, für den wird die Stüdlhütte zum zweiten wichtigen Stützpunkt. Hoch über dem Ködnitztal gelegen, ist sie im Winter weit mehr als nur ein praktischer Übernachtungsplatz. Die besondere Architektur, die Lage auf 2.802 Metern und dieses hochalpine Umfeld machen sie selbst schon zu einem Teil des Erlebnisses. Normalerweise startet die Skitourensaison dort Anfang März.

Die stille Seite des Glockners

Was ich an Osttirol im Winter so mag, zeigt sich an Touren wie dem Romariswandkopf und dem Weißen Knoten besonders gut: Es geht hier nicht nur um berühmte Gipfel oder spektakuläre Namen. Was zählt ist das Bergerlebnis – die stillen Anstiege, weite unberührte Täler und dieses besondere Einsamkeit, die man in den Bergen nur noch selten findet.

Beinahe mystisch: der Blick zur Glocknerwand mit unserer einsamen Spur am Fruschnitzkees
Beinahe mystisch: der Blick zur Glocknerwand mit unserer einsamen Spur am Fruschnitzkees

Wer sich auf diese ruhigere Seite der Region einlässt, entdeckt nicht nur großartige Skitouren, sondern auch ein Stück alpiner Freiheit, das keine große Inszenierung braucht. Es ist einfach da. Noch mehr Skitouren findest du auf der interaktiven Karte von Osttirol.

Über mich

Griaß di!
Griaß di!
Ich heiße Daniel, bin Mitte 30 und liebe die Berge. Ich möchte dich mit Rauf und Davon für dein nächstes Bergabenteuer inspirieren und dir das nötige Know-how dafür mit auf den Weg geben. Dir gefallen meine Geschichten? Dann folge mir doch ☺️

Das könnte dich auch interessieren

Weißer Knoten (2.878 m): Skitour vom Lucknerhaus

Die Skitour auf den Weißen Knoten ist landschaftlich großartig, technisch nicht übermäßig schwierig und bietet tolle Blicke zum Glockner.

Romariswandkopf (3.511 m): Skitour vom Lucknerhaus

Die Skitour auf den Romariswandkopf ist für mich ein landschaftliches Highlight in den Hohen Tauern. Näher kommt man dem Glockner nicht.

Ausprobiert: La Sportiva Kilo XTR

Das Versprechen des La Sportiva Kilo XTR hat mich überzeugt – ich durfte den Tourenskischuh ausprobieren. Kurzform: Er macht alles richtig.

Schwalbenwand (2.011 m): Skitour vom Mitterberghof

Die Schwalbenwand ist ein genialer Aussichtsberg hoch über dem Zeller See. Die Skitour vom Mitterberghof ist die ruhigste Aufstiegsvariante.

Graukogel: Skitour „Zirbenroas“ zur Graukogelhütte

Der Graukogel ist der Hausberg der Bad Gasteiner. Eine relativ leichte Skitour führt über die ausgeschilderte Skitour S2 "Zirbenroas" zur Graukogelhütte.

Entwurf: Sendlhofer’s

Wanderwege vor der Haustür, geführte Touren und Leihausrüstung; Diese Hotels in Südtirol und Österreich eignen sich perfekt zum Wandern.