So bildschön ist der Wanderherbst im Murtal

Aussichtsreiche Bergtouren zwischen Feuerrot und Schneeweiß • enthält Werbung

Unten noch spätsommerlich grün, weiter oben leuchtend rot und am Gipfel schon ein bisschen winterlich: Bei meinem Besuch im Murtal habe ich gleich drei Jahreszeiten erlebt. Zwei lange Bergtage auf dem Seckauer Zinken und dem Pletzen haben mir gezeigt, wie wunderbar sich der Herbst in den Seckauer Alpen erwandern lässt.

Wanderherbst im Murtal: Viel Aussicht, wenig Trubel

Ich liebe den Herbst am Berg. Die klare Luft, die großartige Fernsicht und die Farbenpracht, die sich mit gefühlt jedem Höhenmeter verändert. Dazu das besondere weiche Herbstlicht und die langen Schatten. Gerade am Vormittag könnte ich alle paar Schritte stehen bleiben und fotografieren.

Im steirischen Murtal kam dann noch die Ruhe dazu, mit der ich diese besondere Jahreszeit erleben durfte. In den Seckauer Tauern streifte ich über weite Bergrücken, genoss wunderschöne Fernblicke und fand auf zwei Touren erstaunlich wenig Trubel.

Gerade für Herbstwanderungen finde ich diese Berglandschaft besonders reizvoll: Viele der bis gut 2.400 Meter hohen Gipfel haben eine äußerst gutmütige Seite: mit weiten Wiesenhängen und überwiegend technisch einfachen Anstiegen. So lassen sich auch Wanderungen mit etwas Neuschnee verhältnismäßig sicher durchführen – und den kann es im Herbst in höheren Lagen ja schnell mal haben.

Auch kulinarisch hat der Herbst im Murtal seinen Platz: Beim Z’HERBST dreht sich vieles um die Zirbe. Dazu später mehr – zuerst ging es für mich an zwei langen Tagen in die Berge.

Seckauer Zinken (2.397 m): Durch drei Jahreszeiten auf den Gipfel

Hämmerkogel
Geniale Herbststimmung am Seckauer Zinken

Mein erster Bergtag führte auf den 2.397 Meter hohen Seckauer Zinken. In der Nacht davor hatte eine durchziehende Front eine dünne Neuschneeauflage in den höheren Gefilden hinterlassen. Unten im Tal war es dagegen noch spätsommerlich. Was für ein Glück! Genau diese Kontraste finde ich am Herbst so toll 🙂 .

Von der Steinmühle Seckau geht es zunächst längere Zeit durch den Wald. Normalerweise werde ich bei ausgedehnten Waldanstiegen schnell ungeduldig. Hier blieb es jedoch erstaunlich kurzweilig: Der Zinkenbach begleitet den Weg, kleine Brücken führen immer wieder über das Wasser und zwischen den Bäumen ergeben sich schöne Einblicke in den Bachlauf. Gepaart mit der Morgensonne, die sich ihren Weg durch das Blätterdach bahnte, ein tolles Bild! Zusätzlich gab es am Wegesrand die unterschiedlichsten Pilze zu entdecken. Leider kenne ich mich damit kaum aus, aber alleine zum Anschauen und Fotografieren fand ich sie großartig.

Oberhalb der Waldgrenze öffnet sich dann die Landschaft. Vor mir breiteten sich herbstlich gefärbte Hänge aus, dahinter die frisch angezuckerten Gipfel. Braun, Orange, Rot und Weiß, dazwischen das satte Grün der Nadelbäume und Latschen. Mehr Herbst geht nicht!

Noch vor der Goldlacke zweigte mein Weg Richtung Gipfel ab. Mit jedem Höhenmeter wurde es winterlicher, bis die bunten Hänge schließlich unter einer dünnen weißen Decke verschwanden. Gekrönt wurde der Aufstieg vom Blick auf die leicht verschneiten Berge rund um den Gipfel. Auf einer einzigen Wanderung vom spätsommerlichen Tal durch die bunten Herbsthänge bis zu den ersten Spuren des Winters zu gelangen, war schon etwas Besonderes.

Für den Abstieg wählte ich den Südrücken. Dort ging das Farbenspiel in die Verlängerung: feuerrote Vegetation, dunkelgrüne Nadelbäume und dahinter die verschneiten Gipfel. Wanderherz, was willst du mehr?

Gut zu wissen: Die Runde verlangt mit rund 1.500 Höhenmetern und knapp 19 Kilometern ordentlich Ausdauer. Plant einen ganzen Bergtag und genügend Reserven für den Abstieg ein. Unterwegs gibt es keine bewirtschaftete Hütte.

Pletzen (2.345 m): Steiler Auftakt, weite Höhenwege

Blick hinunter auf die Sundlalm
Morgenstimmung in den Seckauer Tauern

Am nächsten Tag war der kleine Winterbesuch schon wieder vorbei. Von der dünnen Schneeauflage war bei meiner Wanderung auf den Pletzen nichts mehr zu sehen. Dafür wartete eine Tour, die mir vielleicht sogar noch ein bisschen besser gefiel als der Seckauer Zinken. Und um sie bei bestem Morgenlicht zu erleben, startete ich bereits vor Sonnenaufgang.

Der Auftakt beim Gaalreiterhof ließ das zunächst kaum vermuten. Durch Wald und über dazwischenliegende Wiesen geht es teilweise steil bergauf. Bis zum Repenstein (1.956 m) sammelt man bereits die ersten 750 Höhenmeter.

Ab dem markanten Felshaufen am Repenstein verändert sich der Charakter der Wanderung. Die steilen Hänge gehen in breite Bergrücken über. Über den Kleinen und den Großen Ringkogel führt der Weg weiter Richtung Pletzen. Jeder einzelne aussichtsreiche Kilometer bereitete mir und meiner Kamera unglaubliche Freude – das Morgenlicht holte die schönsten Farbtöne aus der Landschaft. Ein bisschen fühlte ich mich wie auf einer Wanderung durch eine Kulisse aus „Herr der Ringe“.

Ganz ohne Anstrengung geht es dann aber doch nicht: Die letzten Höhenmeter auf den Großen Ringkogel mit seinem riesigen Gipfelkreuz sind noch einmal etwas steiler. Danach führt der Weg in einen Sattel hinab, bevor der finale Anstieg auf den 2.345 Meter hohen Pletzen noch einmal etwas Puste verlangt.

Theoretisch könnte man die Wanderung schon am Ringkogel beenden. Wer noch ausreichend Zeit und Kraft hat, sollte aber unbedingt weitergehen: Die Verbindung zum Pletzen war mein landschaftliches Highlight und am Gipfel wird man mit einer tollen 360-Grad-Rundumsicht belohnt. Seckauer Zinken, Hochreichart und Geierhaupt prägen das Panorama, dahinter tauchen die Gesäuse-Berge auf. Richtung Südwesten kann man in der Ferne die verschneiten Riesen der Hohen Tauern erkennen.

Zurück ging es über dieselbe Route – und damit noch einmal über die aussichtsreichen Rücken der beiden Ringkogel. Was besonders hängen blieb, war die Ruhe. An einem Samstag auf so schönen Wegen unterwegs zu sein und dabei nur wenigen Menschen zu begegnen, grenzt an Luxus.

Gut zu wissen: Mit rund 16 Kilometern und 1.360 Höhenmetern ist auch der Pletzen eine ausgewachsene Wanderung. Beim Ausgangspunkt stehen nur wenige Parkplätze zur Verfügung. Auch hier gehören ausreichend Getränke und eine Jause in den Rucksack, denn eine bewirtschaftete Hütte gibt es unterwegs nicht. Für den teils steilen Weg zum Repenstein würde ich euch Stöcke empfehlen.

Noch mehr Murtal: Drei Tipps für zusätzliche Urlaubstage

Meine beiden Wanderungen waren tagesfüllend. Für diese weiteren Ziele blieb diesmal keine Zeit, als Ergänzung zu einem Wanderurlaub finde ich sie aber ausgesprochen spannend.

Hochalmkirche "Maria Schnee"
Die Hochalmkirche Maria Schnee konnte ich diesmal leider nur von weitem erspähen
  • Ingeringsee: Der Bergsee lässt sich bei einer gemütlichen Runde von etwa 45 Minuten erkunden. Am Ufer liegt die kleine, mit Zirbenholz ausgestattete Klementikapelle. Eine schöne Idee für einen ruhigeren Tag zwischen längeren Bergtouren.
  • Abtei Seckau: Die Benediktinerabtei mit ihrer romanischen Basilika bietet einen kulturellen Einblick in den Ort. Wer mehr über das Kloster erfahren möchte, kann sich über die Führungsangebote zur „Welt der Mönche“ informieren.
  • Maria Schnee auf der Hochalm: Die kleine Kirche liegt auf 1.822 Metern in den Seckauer Alpen und zählt damit zu den höchstgelegenen Wallfahrtskirchen der Ostalpen. Sie ist ein eigenes Wanderziel für alle, die Berglandschaft und einen besonderen spirituellen Ort miteinander verbinden möchten.

Z’HERBST: Wenn die Zirbe auf den Tisch kommt

Nach solchen Bergtagen darf es im Tal gerne gemütlicher werden. Im Murtal wird der Herbst auch kulinarisch gefeiert: Mit dem Z’HERBST, dem Murtaler Zirbenherbst, verbindet die Region im September und Oktober Wanderungen, regionale Küche und Veranstaltungen (hier geht’s zum Z’HERBST Programm).

Im Mittelpunkt steht die Zirbe, die dabei weit über das bekannte Schnapserl hinauskommt. In den teilnehmenden Betrieben reicht die Auswahl beispielsweise von Zirbenbiercremesuppe über Hirschsteak mit Zirbengremolata bis zum Zirbenparfait.

Einer der teilnehmenden Betriebe ist der Gasthof zur Post in Seckau, in dem ich während meines Aufenthalts übernachtet habe. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die wunderbar herzlichen Gastgeber: Sie haben mir vor meiner Sonnenaufgangstour auf den Pletzen sogar um 5:30 Uhr ein Frühstück hergerichtet. Auch das Essen hat mir bestens geschmeckt – nach zwei langen Wanderungen genau der richtige Ort zum Ankommen und Erholen.

Mein Fazit zum Wanderherbst im Murtal

Gerade einmal eine Stunde von Graz und 2:15 Stunden von Wien entfernt lässt sich im Murtal bestens in den Bergherbst eintauchen. Nach zwei Tagen, 35 Kilometern und knapp 3.000 Höhenmetern blieben mir vor allem die weiten Bergrücken, die Ruhe und die leuchtenden Hänge in Erinnerung. Dazu der kurze Winterbesuch am Seckauer Zinken, der die Herbstfarben noch einmal ganz anders wirken ließ. Keine Frage: Der Wanderherbst steht dem Murtal ausgesprochen gut.

Über mich

Griaß di!
Griaß di!
Ich heiße Daniel, bin Mitte 30 und liebe die Berge. Ich möchte dich mit Rauf und Davon für dein nächstes Bergabenteuer inspirieren und dir das nötige Know-how dafür mit auf den Weg geben. Dir gefallen meine Geschichten? Dann folge mir doch ☺️

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