Pletzen (2.345 m): Wanderung vom Gaalgraben

Steiler Auftakt und weite Höhenwege in den Seckauer Tauern

Zuerst geht es ordentlich bergauf, dann öffnet sich eine Landschaft aus weiten Wiesenrücken und aussichtsreichen Gipfeln: Die Wanderung auf den steirischen Pletzen hat zwei ganz unterschiedliche Gesichter. Vom Gaalreiterhof führt sie über den Repenstein sowie den Kleinen und Großen Ringkogel auf einen wunderbaren Aussichtsberg in den Seckauer Tauern. Technisch überwiegend einfach, konditionell durchaus fordernd und im Herbst ein besonderer Genuss.

Toureninfos

Tourenbeschreibung der Wanderung auf den Pletzen

Manchmal braucht es keinen großen Gipfelnamen für einen schönen Tag am Berg. Der Pletzen ist der Beste Beweis dafür. Ich war Ende September im Murtal unterwegs und hatte am Vortag schon den Seckauer Zinken bestiegen. Die Wanderung auf den Pletzen gefiel mir vielleicht sogar noch ein bisschen besser.

Vom Gaalreiterhof zum Repenstein

Ausgangspunkt ist der kleine Parkplatz kurz vor dem Gaalreiterhof im Gaalgraben (1.200 m). Da es nur wenige Stellplätze gibt, sollte man früh dran sein. Außerdem kommt man so in den Genuss des Morgenlichts. Ich startete bereits vor Sonnenaufgang.

Zunächst folgt man der Forststraße vorbei am Gaalreiterhof (1.220 m). Kurz dahinter zweigt der markierte Wanderweg in den Wald ab. Der gemütliche Teil zum Warmwerden ist jetzt vorbei. Waldstücke wechseln mit offenen Wiesenflächen, unterwegs werden mehrmals Forstwege gequert. Auf dem Steig gewinnt man zügig an Höhe, stellenweise geht es richtig steil bergauf.

Mit den ersten Sonnenstrahlen wurde der Anstieg für mich immer schöner. Zwischen den Bäumen öffneten sich Blicke ins Tal und auf die umliegenden Berge. Die tief stehende Sonne brachte die Hänge zum Leuchten – genau dieses Licht liebe ich am Herbst.

Weiter oben lichtet sich der Wald. Auf rund 1.800 Metern lässt man den Wald schließlich hinter sich. Über Wiesen und durch kurze Latschengassen erreicht man den Repenstein (1.956 m), dessen markanter Felshaufen schon von Weitem in Auge springt. Rund 750 Höhenmeter hat man dort bereits geschafft.

Über den Kleinen auf den Großen Ringkogel

Nach einer kurzen Rast verläuft der Anstieg weiter nordwärts. Über den Kleinen Ringkogel (2.110 m) geht es zum Großen Ringkogel (2.277 m). Spätestens ab hier zeigt die Wanderung ihr zweites Gesicht. Die Landschaft wird weitläufig, die Rücken sind großteils breit und die Steigung lässt spürbar nach. Über die offenen Wiesenhänge wandert man mit herrlichen Ausblicken dahin. Für mich begann hier der schönste Teil der Tour. Gerade im Herbst fand ich diese Landschaft unglaublich reizvoll. Goldbraune Wiesen, die Bergwelt ringsum und immer wieder ein neuer Blick auf den weiteren Weg. Kurz: Die Kamera bekam einiges zu tun 😂

Ganz gemütlich bleibt es allerdings nicht. Vor dem Großen Ringkogel zieht die Steigung wieder an, bis man schließlich dessen mächtiges Gipfelkreuz (2.277 m) erreicht. Am Ringkogel sollte man trotz der gutmütigen Rücken auf dem markierten Weg bleiben: Richtung Osten und Südosten bricht das Gelände felsig zum Sundlkar ab. Besonders bei schlechter Sicht darf man sich nicht zu weit auf diese Seite verirren.

Vom Großen Ringkogel auf den Pletzen

Theoretisch könnte man am Großen Ringkogel (2.277 m) die Wanderung beenden. Wer noch genügend Zeit und Kraft hat, sollte aus meiner Sicht aber unbedingt weiter zum Pletzen gehen. Die Verbindung zwischen den beiden Gipfeln war mein landschaftliches Highlight. Ein bisschen fühlte ich mich dort wie auf einem Streifzug durch eine Kulisse aus „Der Herr der Ringe“.

Zunächst steigt man in den Sattel (ca. 2.200 m) zwischen Ringkogel und Pletzen ab. Danach führt der Weg wieder bergauf, über den Rücken dem Gipfel (2.345 m) entgegen. Der letzte Anstieg verlangt noch einmal etwas Puste, bleibt aber im Charakter der bisherigen Wanderung: überwiegend einfaches Gehgelände mit weiten Ausblicken.

Unterwegs lohnt sich auch der Blick zurück auf den Großen Ringkogel. Zusammen mit den umliegenden Gipfeln und dem Sundlsee ergibt sich eine wunderschöne Berglandschaft. Obwohl ich schon einige Kilometer in den Beinen hatte, hätte der Abschnitt für mich ewig weitergehen können.

Am Gipfel des Pletzens

Das Gipfelkreuz des Pletzen steht etwas nordöstlich vorgelagert und nicht genau am höchsten Punkt. Der Aussicht tut das keinen Abbruch: Seckauer Zinken, Hochreichart und Geierhaupt prägen das Panorama, unterhalb liegt der Sundlsee. Auch die Triebener Tauern und weiter entfernt die Gesäuseberge sind zu sehen. Bei meiner Wanderung konnte ich in Richtung Südwesten sogar die verschneiten Gipfel der Hohen Tauern erkennen.

Der zusätzliche Weg vom Ringkogel hatte sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Hier oben standen noch einmal die ganze Weite der Landschaft und die Ruhe im Mittelpunkt. Viel mehr brauchte es für einen gelungenen Bergtag eigentlich nicht.

Abstieg über die Aufstiegsroute

Zurück geht es auf demselben Weg. Vom Pletzen steigt man zunächst in den Sattel ab und anschließend wieder zum Großen Ringkogel auf. Diesen Gegenanstieg sollte man bei der Kräfte- und Zeitplanung berücksichtigen. Am Pletzen angekommen ist der letzte Anstieg des Tages also noch nicht erledigt.

Über den Kleinen Ringkogel geht es zurück zum Repenstein. Ich fand es schön, die weiten Rücken noch einmal in der anderen Richtung zu erleben. Auch auf dem Rückweg blieb die Aussicht ein ständiger Begleiter.

Am Repenstein folgt man wieder dem Pfad zum Gaalreiterhof. Jetzt stehen die steileren Wiesen- und Waldpassagen an, die nach dem langen Bergtag noch einmal die Oberschenkel und Knie beanspruchen. Ich würde auf jeden Fall Wanderstöcke für diesen Abschnitt empfehlen. Über den bekannten Steig und zuletzt am Hof vorbei erreicht man wieder den Parkplatz.

Fazit zur Wanderung auf den Pletzen

Der Pletzen hat mich mit seinen weiten Bergrücken, den schönen Ausblicken und der erstaunlichen Ruhe begeistert. Besonders die Verbindung vom Repenstein über die beiden Ringkogel bis zum Pletzen machte die Tour für mich zu einem wunderbaren Bergerlebnis. Im Herbst kamen die leuchtenden Hänge und das weiche Licht dazu – eine Kombination, für die ich gerne mit Stirnlampe losgehe.

Technisch ist die Wanderung einfach, unterschätzen sollte man sie aufgrund der Länge trotzdem nicht. Rund 16 Kilometer und 1.360 Höhenmeter ergeben einen langen Bergtag, und die steilen Abschnitte wollen auch im Abstieg noch bewältigt werden. Wer ausreichend Kondition mitbringt und gerne lange auf aussichtsreichen Wegen unterwegs ist, findet hier eine ausgesprochen lohnende Wanderung.

Noch mehr Eindrücke aus der Region findet ihr in meinem Beitrag über den Wanderherbst im Murtal.

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