Der Wildkamm ist eine schmale Felsflosse im steirischen Veitsch-Massiv. Auf einem alpinen Steig lässt er sich landschaftlich wunderschön überschreiten und mit der Hohen Veitsch zu einer tagesfüllenden Tour kombinieren. Ein echter Geheimtipp für erfahrene Bergwanderer in den Mürzsteger Alpen.
Toureninfos Wildkamm Überschreitung & Veitsch
- Lage: Österreich / Steiermark / Mürzsteger Alpen
- Ausgangspunkt: Parkplatz in der Nähe vom Niederalpl Ort
- Höhenmeter & Distanz: 1.230 hm | 13 km
- Höchster Punkt: 1.981 Meter
- Schwierigkeit gemäß SAC-Wanderskala: Anspruchsvolle Bergwanderung (T3)
- Schlüsselstelle: Der Abstieg vom Großen Wildkamm zur Gingatzwiese
- Gemacht im: August 2025
- Link zum Selberplanen: alpenvereinaktiv
Tourenbeschreibung Wildkamm Überschreitung & Veitsch
Der Wildkamm fristet ein ruhiges Dasein im Schatten der beliebten Hohen Veitsch – als einfacherer Gipfel und Königin der Mürzsteger Alpen zieht sie die Massen an. Beinahe zu Unrecht, denn die Überschreitung des Wildkamms ist eine der landschaftlich schönsten Touren der Region. Im Gegensatz zu den einfachen Veitsch-Anstiegen bedarf sie jedoch etwas alpiner Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Zur Sohlenalm
Ausgangspunkt der Wanderung ist ein kleiner Parkplatz (970 m) in der Nähe von Niederalpl Ort. Nach wenigen Metern auf der Bundesstraße zweigt links ein Weg ab, der sich bald zu einem steilen Pfad durch den waldigen Sohlengraben verjüngt. Rasch merkt man: Diese Runde wird eher selten begangen. Der Steig – und so manche Markierung – ist stellenweise überwuchert. Das kostet etwas Zeit in der Wegfindung, verleiht der Tour aber auch einen abenteuerlichen Charme.
Nach rund 400 Höhenmetern erreicht man die Sohlenalm (1.380 m). Die Vegetation lichtet sich, die Orientierung wird jedoch nicht einfacher. Der Pfad über den Wildkamm ist nur spärlich markiert und noch seltener begangen als der Anstieg zur Alm. Also steigt man aufmerksam – und mit dem GPX-Track am Handy – über Almgelände auf den Rücken des Kleinen Wildkamms.
Die Wildkamm Überschreitung
Mit zunehmender Höhe wird die Orientierung leichter: Einerseits beginnt die Latschenzone, in der der Pfad klar erkennbar ist. Andererseits verschmälert sich der Rücken zusehends und weist unmissverständlich die Richtung. Am Weg über den unbekreuzten Kleinen Wildkamm (1.757 m) und weiter zum Großen Wildkamm wechseln sich hohe Latschenfelder mit aussichtsreichen Wiesen ab. Immer im Blick: die wuchtigen Felswände der Veitsch.
Das Gipfelkreuz am Großen Wildkamm (1.874 m) lädt zur kurzen Verschnaufpause ein. Der folgende Abstieg zur Gingatzwiese – der Übergang zur Veitsch – ist der anspruchsvollste Teil der Runde: Der bisher gutmütige Rücken verengt sich zu einem schmalen Grat, teils deutlich ausgesetzt und mit schwindelerregenden Tiefblicken ins Rodeltal. Dazu kommen ein paar exponierte, wenn auch einfache Kletterstellen (I).
Die Schwierigkeiten entsprechen in etwa T3 auf der SAC-Skala – Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier unabdingbar. Mit etwas Erfahrung wird dieser Abschnitt allerdings zum Höhepunkt der Tour. Auf der Gingatzwiese (1.740 m) angekommen, ist man fast traurig, dass die anregende Schroffenkletterei schon vorbei ist.
Weiter auf die Hohe Veitsch
Die folgenden rund 250 Höhenmeter zum Gipfelkreuz der Hohen Veitsch (1.981 m) verlaufen – zunächst etwas steiler, dann zunehmend flach – unschwierig über das mächtige Hochplateau. Am höchsten Punkt angekommen, blickt man zu Recht stolz zum Wildkamm hinüber, den man soeben überschritten hat, und genießt den weiten Blick in die steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen.
Durch die Rodel zurück ins Tal
Der Abstieg steht der Szenerie im Aufstieg in nichts nach. Von der Gingatzwiese zweigt man Richtung Rodeltal ab. Das Gelände wird zunehmend enger, ein anspruchsvoller Steig führt über eine felsige Steilstufe hinunter in die Rinne. Unterhalb der Ostwände des Wildkamms wandert man darin stets nordwärts zurück. Bald wird man wieder vom Wald verschluckt und erst beim Parkplatz wieder ausgespuckt.
Wem „die Rodel“ bekannt vorkommt: Das enge Tal ist eine der beliebtesten Frühjahrsskitouren auf die Hohe Veitsch. Die Nordexposition sorgt oft für gute Schneeverhältnisse, die felsige Steilstufe wird im Winter an anderer Stelle mit Hilfe von Seilen überwunden.
Fazit Wildkamm Überschreitung und Hohe Veitsch
Die Überschreitung des Wildkamms ist eine landschaftlich imposante Bergwanderung, die in der Region ihresgleichen sucht. Durch den technischen Anspruch ist sie deutlich weniger frequentiert als die Hohe Veitsch – das verleiht ihr einen erfrischen abenteuerlichen Charakter.
Bringt man das nötige Rüstzeug mit – absolute Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas alpine Erfahrung – erhält man in Kombination mit dem Abstieg durch die Rodel eine sehr abwechslungsreiche und wunderschöne Bergtour. Die Runde lässt sich natürlich auch in Gegenrichtung gehen. Vorteil der hier beschriebenen Variante: Am Wildkamm hat man die Veitsch stets schön im Blick.
Der Wildkamm ist nur bei stabilem Wetter und trockenen Verhältnissen zu empfehlen: Am ausgesetzten Grat mit seinen grasigen Passagen will man weder Nässe noch Nebel – rutschige Tritte und schwierige Orientierung können hier problematisch sein.
PS: Danke Hannes, dass du dich so geduldig als „Model“ zur Verfügung gestellt hast 🙂