Kreuzkogel / Döferl (2.325 m): Skitour im Großarltal

Geheimtipp im Schatten prominenter Nachbarn

Die Skitour auf den Kreuzkogel (auch Döferl genannt) im Großarltal ist ein echter Geheimtipp. Dank prominenter Nachbarn ist man hier oft alleine unterwegs – und das, obwohl sich oberhalb des Waldgürtels ein traumhaftes nordexponiertes Tourengelände mit besten Voraussetzungen für Pulverschnee verbirgt.

Toureninfos

Tourenbeschreibung der Skitour auf den Kreuzkogel

Der Kreuzkogel im Hüttschlager Toferntal fristet sein Dasein im Schatten prominenter Nachbarn wie dem Gamskarkogel (2.467 m) oder dem Frauenkogel (2.423 m). Beide zählen mit ihren freien Osthängen zu den großen Skitourenklassikern des Großarltals. Dementsprechend ziehen auf ihnen an schönen Tagen Karawanen Richtung Gipfel.

Blick vom Gipfel Richtung Gamskarkogel (links) und Frauenkogel (rechts)
Die prominenten Nachbarn vom Kreuzkogel: der Gamskarkogel (links) und der Frauenkogel (rechts)

Ganz anders sieht es auf der gegenüberliegenden Talseite am Kreuzkogel aus. Hier regieren meist unberührter Powder und Einsamkeit statt verspurter Hänge und Skitouren-Halligalli. Doch dieses kleine Skitourenschmankerl muss man sich erst verdienen.

Vom Parkplatz Hinterfeld zur Oberharbachalm 

Ausgangspunkt der Tour ist der kleine Parkplatz Hinterfeld (1.240 m) direkt beim Schranken. Aus genannten Gründen muss man hier sehr früh dran sein, um einen Platz zu bekommen. Aber keine Sorge: Ist der Parkplatz voll, findet man etwas weiter unten entlang der Tofnerstraße weitere Parkmöglichkeiten. Bitte beachten: Je nach Verhältnissen können für die teils steile Auffahrt Schneeketten oder zumindest ein Allradantrieb erforderlich sein.

Hat man das Auto gegen die Tourenski getauscht, startet der 3,5 Kilometer lange Forststraßenzustieg taleinwärts zur Oberharbachalm (1.612 m). Zugegeben, dieser Teil der Tour ist nicht gerade spektakulär. Aber: Er macht die herrliche Skitourenarena rund um Kreuzkogel, Throneck, Finsterkopf, Gamskarkogel und Frauenkogel zugänglich. 

Der Kreuzkogel (Mitte) mit dem Waldgürtel; rechts das Throneck
Der Kreuzkogel (Mitte) mit dem Waldgürtel; rechts das Throneck

Durch den Waldgürtel in den Skitourenhimmel

Nach der Oberharbachalm folgt der anspruchsvollste Teil der Tour. Um zu den wunderschönen Hängen des Kreuzkogels zu gelangen, muss ein steiler Waldgürtel überwunden werden. Dafür gibt es zwei Varianten:

1) Direkte Variante: Wie in sämtlichen Tourenbeschreibungen (die ich gefunden habe) angegeben, kann der steile Waldgürtel direkt und mithilfe vieler Spitzkehren durchstiegen werden. Das kann bei schlechter Schneelage, wenn die Wurzeln des Waldbodens durchkommen (wie bei mir), mühsam und rutschig sein.

2) Über eine Querung: Man kann den unangenehmen Teil des Waldgürtels auch auf einem Wanderweg im Sinne des Aufstiegs linker Hand leicht ansteigend durchqueren. Diesem Tipp von Einheimischen bin ich bei der Abfahrt gefolgt und er erschien mir deutlich angenehmer. Auf der flachen Querung kann man jederzeit problemlos abschnallen und die Ski über schneelose Passagen tragen.

Hat man den dichten Abschnitt des Waldgürtels überwunden, geht es weiter steil und mithilfe einiger Spitzkehren durch einen lichten Hochwald. Nach der Baumgrenze (1850 m) hat man den Spitzkehrentango erfolgreich absolviert und wird sofort mit einem Blick in das geniale Tourengelände des Kreuzkogels belohnt.

Über herrliche Hänge zum Gipfel

Die nächsten 300 Höhenmeter verlaufen logisch durch die perfekt geneigten Hänge auf den Rücken des Kreuzkogels (2.150 m). Der Blick zurück ins Tofnertal und hinüber zum Gamskar- und Frauenkogel wird mit jedem Schritt spektakulärer. Die letzten Meter hoch zum Rücken sind noch einmal etwas steiler, sollten aber kein Problem darstellen.

Noch imposanter wird die Aussicht am Rücken des Kreuzkogels. Hier kann man seinen Blick in das benachbarte Seitental schweifen lassen – das für sich übrigens ein kleines Skitourenparadies ist (mehr dazu in meinem Tourentipp zur Skitour auf den Heidentempel).

Kein Wunder, dass bei diesem Panorama die letzten knapp 200 Höhenmeter wie im Flug vergehen. Technisch einfach folgt man dem Nordostrücken bis kurz unterhalb des Gipfels. Die letzten Meter sind dann noch einmal ziemlich steil, bei schlechten Bedingungen kann man aber einfach ein Skidepot einrichten und die letzten Meter zu Fuß zurücklegen.

Beim unscheinbaren Gipfelkreuz (2.325 m) angekommen, wird man mit einem genialen 360-Grad-Panorama willkommen geheißen. Vom Hochkönig hinüber zum Dachstein und die 3.000er der Hohen Tauern bis hinunter ins benachbarte Gasteinertal: Die Rundumsicht ist einfach genial. 

Abfahrt vom Kreuzkogel

Die Abfahrt erfolgt im Wesentlichen entlang der Aufstiegsspur. Möchte man den Waldgürtel komplett umfahren, kann man sich auf rund 2.100 Meter nordwestlich halten und Richtung Gamskarkogel in den Talboden abfahren. So wie so landet man irgendwann wieder auf der Forststraße, über die es gemütlich zurück zum Auto geht.

Abfahrt vom Kreuzkogel
Ein wahrgewordener Skitourentraum: Ich durfte die erste Spur durch dieses geniale Gelände ziehen

Fazit

Wenn ich „ruhige Alternative“ in Kombination mit Nordexposition lese, werde ich hellhörig. Und einmal mehr sollte sich die Kombination dieser magischen Wörter bezahlt machen. Der Kreuzkogel ist eine herrliche Skitour, die sich dank ihrer Nachbargipfel oftmals als kaum verspurter Pulvertraum präsentiert. Man muss lediglich bereit sein, den Preis dafür zu zahlen: eine steile Anfahrt (eventuell Schneeketten oder Allrad erforderlich), ein langer Forststraßenzustieg und der etwas nervige Waldgürtel. Ein Investment, das sich aber meistens bezahlt macht.

Wer hier schreibt
Griaß di!
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