Romariswandkopf (3.511 m): Skitour vom Lucknerhaus

Landschaftliches Highlight im Schatten des Großglockners

Die Skihochtour auf den Romariswandkopf ist für mich eines der landschaftlichen Highlights im Nationalpark Hohe Tauern. Näher kommt man dem Glockner kaum, ohne ihn zu besteigen. Und die Abfahrt ist wie Fliegen – nur schöner.

Toureninfos

Tourenbeschreibung der Skitour auf den Romariswandkopf

Eine Besteigung des Großglockners ist ein großartiges, hochalpines Abenteuer. Aber sie hat zwei Wermutstropfen: Erstens ist der höchste Berg Österreichs ein begehrtes Ziel, entsprechend viel ist hier oft los. Zweitens sieht man den formschönen Glockner – logischerweise – nicht, wenn man selbst auf ihm unterwegs ist. Genau das macht die Skitour auf den Romariswandkopf so besonders: einzigartige Blicke auf den Glockner – und meist ist man hier fast allein unterwegs.

Anmerkung: Die Stüdlhütte öffnet meistens Anfang März. Davor muss man entweder im Winterraum schlafen oder die Tour an einem Tag bewältigen.

Tag 1: Aufstieg zur Stüdlhütte

Ausgangspunkt der zweitägigen Skihochtour ist der große Parkplatz Glocknerwinkel (1.920 m) am Ende der kostenpflichtigen Kalser Glocknerstraße. Am ersten Tag folgt man im Wesentlichen dem Sommerweg zur Stüdlhütte – ein angenehm ruhiger Einstieg.

Die ersten rund 1,7 Kilometer verlaufen vorbei an der Jörgenalm (1.977 m) flach auf einer Forststraße Richtung Talschluss des Teischnitztals (ca. 2.080 m). Dabei wird es nie eintönig: Der durchgehende Blick auf den Großglockner, der über dem Talschluss thront, ist ein eindrucksvoller Vorgeschmack auf das, was noch kommt.

Am Ende des Talbodens zieht die Steigung zur Lucknerhütte (2.241 m) spürbar an. Dort hat man das 320-Höhenmeter-Warm-up hinter sich gebracht. Die Forststraße endet, und man taucht endgültig in die hochalpine Landschaft des Nationalparks Hohe Tauern ein.

Die folgenden 560 Höhenmeter und knapp 3 Kilometer zur Stüdlhütte (2.802 m) werden deutlich anspruchsvoller. Zwei Steilstufen (35°–40°) verlangen saubere Spitzkehren. Die Wegfindung bleibt dabei einfach: Gelände und – meist – eine vorhandene Spur geben die Linie klar vor.

Insgesamt stehen am ersten Tag rund 5 Kilometer und 900 Höhenmeter auf dem Programm. Skitourentechnisch ist das eine gute Bewährungsprobe für den zweiten Tag. Wer hier bereits größere Probleme im Aufstieg hat, sollte sich gut überlegen, ob es sinnvoll ist weiterzugehen. Denn es wird noch steiler – und gleichzeitig ausgesetzter.

Ankunft bei der Stüdlhütte
Ankunft bei der Stüdlhütte

Tag 2: Auf den Gipfel des Romariswandkopfs

Der nächste Morgen beginnt gleich mit der skitourentechnischen Schlüsselstelle: einer rund 180 Höhenmeter hohen Steilstufe hinauf auf das Gletscherplateau des Teischnitzkees (3.010 m). Dafür braucht es eine saubere Spitzkehrentechnik und meist auch Harscheisen – der Südhang ist im Frühjahr morgens oft hart gefroren. Während die meisten Tourengeher von der Stüdlhütte ostwärts zum Großglockner aufbrechen, ist man am Weg auf den Romariswandkopf von Anfang an einsam unterwegs.

Hat man den Steilhang mit seinen eindrucksvollen Rückblicken zur Stüdlhütte hinter sich, folgt unmittelbar der nächste Wow-Moment: der Blick auf den Großglockner mit seinem markanten Stüdlgrat und der dahinterliegenden Glocknerwand. Ein Bild, das sich einprägt – auch, weil es einen über weite Strecken begleitet. Zuerst heißt es allerdings: anseilen. Ab hier ist man auf dem Gletscher unterwegs. Dementsprechend muss man auch Know-how in Seil- und Rettungstechnik (oder einen Bergführer) mitbringen.

Die nächsten 2,5 Kilometer zieht die Spur über das Teischnitzkees zu Füßen der mächtigen Westflanke Richtung Romariswandkopf. Das Ziel bleibt zunächst verborgen. Erst eine kleine Anhöhe (ca. 3.340 m) – ein Ausläufer des Gramul Nordgrats – gibt den Blick auf das weitere Gelände und den Romariswandkopf frei.

Weiter geht es über das Fruschnitzkees. Man lässt den Teufelskamp (3.511 m), den man bei passenden Verhältnissen optional mitnehmen kann, rechts liegen und steuert auf die Romariswandscharte (3.429 m) zu – hier beginnt das alpine Finale.

Am zunehmend schmaler werdenden Rücken sind nochmals saubere Spitzkehren gefragt – und ein gutes Maß an Schwindelfreiheit. Rechts fällt die Romariswand 200 bis 300 Meter ziemlich steil ab. Hat sich hier eine Wächte gebildet, ist besondere Vorsicht nötig.

Vor dem letzten, schmalen Aufschwung haben wir ein Skidepot eingerichtet und sind die letzten Meter zu Fuß gegangen. Am Gipfel des Romariswandkopfs (3.511 m) wird man schließlich von einem postkartenreifen 360-Grad-Panorama empfangen.

Abfahrt vom Romariswandkopf

Getoppt wird das Erlebnis nur noch von der Abfahrt. Nach einer aussichtsreichen Passage über den Rücken gleitet man über den weitläufigen Gletscher zurück zum Anseilplatz. Ein kurzer Gegenanstieg zurück zur oben bereits erwähnten Anhöhe (3.340 m) ist dabei der einzige kleine Dämpfer.

Skitour: Abfahrt vom Romariswandkopf (3.511 m)

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Ab der Stüdlhütte war die Abfahrt bei uns dann weniger lohnend und bereits stark verspurt – entsprechend habe ich dort nicht mehr gefilmt.

Fazit zur Skitour auf den Romariswandkopf

Die Skitour auf den Romariswandkopf ist ein meist einsames alpines Erlebnis im Schatten des Großglockners. Unterschätzen sollte man die Unternehmung aber keinesfalls: Steilstufen bis 40 Grad verlangen eine saubere Spitzkehrentechnik, der Gipfelgrat Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Dazu kommt die lange Gletscherpassage, für die entsprechendes Know-how in Seil- und Rettungstechnik Voraussetzung ist.

Kleiner Tipp zum Abschluss: Das Lucknerhaus ist mit seiner herzlichen Gastfreundschaft, gemütlichen Zimmern und einer kleinen, aber feinen Sauna ein ideales Basecamp für Skitouren in dieser beeindruckenden Berglandschaft. Ich kann euch zum Beispiel die Tour auf den Weißen Knoten empfehlen.

Wer hier schreibt
Griaß di!
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Ich heiße Daniel, bin Mitte 30 und liebe die Berge. Ich möchte dich mit Rauf und Davon für dein nächstes Bergabenteuer inspirieren und dir das nötige Know-how dafür mit auf den Weg geben. Dir gefallen meine Geschichten? Dann folge mir doch ☺️
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