Der Normalweg auf den Dachstein (2.995 m) ist eine großartige Bergtour. Ich helfe dir bei der Einschätzung, ob du dafür einen Bergführer brauchst oder ob du dir diese Hochtour alleine zutrauen kannst.
Inhaltsverzeichnis
- Technische Voraussetzungen
- Konditionelle Voraussetzungen
- Brauche ich einen Bergführer?
- Vorbereitung
- Fazit und Bergführerempfehlung
- Bericht meiner Besteigungen
Der Normalweg auf den Dachstein
Spricht man vom Normalweg auf den Dachstein, ist meist der Anstieg von der Bergstation der Dachstein-Seilbahn über den Randkluftsteig (B) gemeint. Je nach Verhältnissen gelangt man zum Einstieg des Randkluftsteigs direkt über den Gletscher (ca. 30° bis 35° steil) oder über den Schulteranstieg (B/C).

Wer sich dem Dachstein auf eine „ehrlichere“ Art nähern möchte, kann ihn von Norden aus im Zuge einer ausgewachsenen Hochtour mit Übernachtung auf der Simonyhütte besteigen. Dabei startet man entweder bei der Seilbahnstation Gjaid oder – wer es noch länger will – im Tal in Obertraun. Das Finale über den Randkluftsteig bleibt dabei dasselbe. Es muss jedoch ein deutlich längeres Stück über den spaltenreichen Hallstätter Gletscher zugestiegen werden.
Anmerkung zum Bild: Der Weg zur Simonyhütte und über den Gletscher ist exemplarisch eingezeichnet. Den ganz genauen Verlauf konnte ich nicht mehr rekonstruieren 😉
Technische Voraussetzungen
Laut SAC-Hochtourenskala ist der Normalweg auf den Dachstein als „wenig schwierig“ klassifiziert. Das bedeutet per Definition im Fels „meistens noch Gehgelände, erhöhte Trittsicherheit nötig, Kletterstellen übersichtlich und problemlos“ und im Firn und am Gletscher „in der Regel wenig steile Hänge, kurze steilere Passagen, wenig Spalten“. Das klingt jedoch im ersten Moment etwas einfacher, als es ist.

Wie bereits beschrieben, wird der Randkluftsteig je nach Verhältnissen über die vergletscherte Ostflanke oder den Schulteranstieg erreicht. Das bedeutet: Konkret musst du am Normalweg auf den Dachstein als Schlüsselstelle entweder …
… im Eis die spaltige Ostflanke (bis 35° steil) oder
… am Fels im Schulteranstieg den Einstieg (B/C) überwinden.
Auf jeden Fall warten dann im Randkluftsteig Klettersteigpassagen bis B.
Die lange Variante über die Simonyhütte hat keine zusätzlichen technischen Schwierigkeiten. Lediglich die spaltige Gletscherpassage ist deutlich länger.
Bonus: Über die Adamekhütte auf den Dachstein
Der Vollständigkeit halber sei noch der Weg auf den Dachstein von den Gosauseen aus über die Adamekhütte und den Westgrat erwähnt (auch diese wird manchmal als Normalweg bezeichnet). Hier sind die Schwierigkeiten mit Klettersteigpassagen (bis B) und Gletscherzustieg (bis ca. 35° steil) ähnlich anspruchsvoll.

Konditionelle Voraussetzungen
Konditionell verlangt dir der Dachstein – je nach Variante – mal mehr, mal wenig ab.
- Von der Bergstation aus sind es auf den Gipfel und zurück keine 400 Höhenmeter und 5 Kilometer.
- Startet man bei der Station Gjaid am Krippenstein, sind insgesamt 1.500 Höhenmeter und 21 Kilometer zu überwinden.

Brauche ich jetzt einen Bergführer oder nicht?
Aber nun zur Antwort auf die eigentliche Frage. Dafür muss ich dir allerdings neun Gegenfragen stellen: Wenn du alle ehrlich mit „Ja“ beantworten kannst, kannst du den Dachstein ohne Bergführer andenken:
- Hast du Erfahrung im hochalpinen Gelände?
- Beherrscht du eine solide Tourenplanung?
- Bist du schwindelfrei und 100 % trittsicher?
- Kannst du sicher mit Steigeisen (um)gehen?
- Traust du dir Steilstufen bis 35° Steilheit zu?
- Traust du dir Klettersteigpassagen bis B/C im alpinen Gelände bei allen möglichen Verhältnissen (Fels, Eis, Schnee) zu?
- Beherrscht du die für eine Gletscherbegehung nötigen Seiltechniken sowie Techniken zur Spaltenbergung?
- Besitzt du das nötige Equipment für eine hochalpine Gletschertour und kannst damit umgehen?
- Weißt du, was bei einem hochalpinen Notfall zu tun ist?
Bist du dir unsicher oder musst du eine dieser Fragen mit „Nein“ beantworten, dann würde ich dir auf jeden Fall einen Bergführer empfehlen.
So habe ich mich auf den Dachstein vorbereitet
Bevor ich den Dachstein ohne Bergführer bestiegen habe, habe ich zwei Hochtourenkurse beim Alpenverein absolviert. Außerdem hatte ich schon viel alpine Erfahrung auf schwierigeren Hochtouren mit einem Bergführer (z. B. Ortler oder Biancograt) gesammelt und viele komplexere Berg- und Hochtouren alleine unternommen.

Apropos Vorbereitung: Auf meiner 360°-Tour kannst du den Normalweg auf den Dachstein digital nachgehen und bekommst so schon mal einen guten Eindruck davon:
1: Zustieg Simonyhütte
2: Zustieg Simonyhütte
3: Zustieg Simonyhütte
4: Zustieg Simonyhütte
5: Zustieg Simonyhütte
6: Simonyhütte
7: Tag 2 – früher Start
8: Zustieg Gletscher
9: Anseilplatz
10: Am Gletscher
11: Am Gletscher
12: Kurz vorm Klettersteig
13: Klettersteig
14: Klettersteig
15: Gehgelände im Klettersteig
16: Klettersteig
17: Am Gipfel
18: Abstieg Trägerweg
19: Abstieg Trägerweg
20: Abstieg Trägerweg
21: Abstieg Trägerweg
Fazit und Bergführerempfehlung
Ich hoffe, dass ich dir bei deiner Entscheidung helfen konnte. Zum Schluss möchte ich dir noch mitgeben, dass der Dachstein trotz seiner Zugänglichkeit ein ernst zu nehmender Berg ist. Der Gletscher ändert sich von Jahr zu Jahr. Dementsprechend kann sich der Zustieg selbst innerhalb einer Saison ändern und bedarf guten alpinen Gespürs.
Auf der Suche nach einem Bergführer? Dann kann ich euch den liebenswerten Stefan Leitner (Berggfühl) empfehlen. Er hat mich auch bei dem Beitrag unterstützt und die Richtigkeit der Fakten gecheckt.























