Bergliebe in Blogform aus Österreich

Große Zinne (2.999 m): Kletterei über Normalweg (IV-)

Eine der schönsten Bergtouren meines Lebens

Die Drei Zinnen in den Sextner Dolomiten in Südtirol zählen zu den bekanntesten Felsformationen der Welt und sind Sehnsuchtsziel vieler Alpinisten. Die Besteigung des höchsten Punkts – der Großen Zinne – stand auch seit Jahren auf meiner Liste. 2022 hat es endlich geklappt!

Toureninfos

  • Lage: Italien / Südtirol / Sextner Dolomiten
  • Ausgangspunkt: Auronzohütte
  • Höhenmeter & Distanz: 750 hm | 4 km
  • Höchster Punkt: 2.999 Meter
  • Schwierigkeit: Kletterei bis IV-
  • Schlüsselstelle: Ein glatter Kamin ca. in der Mitte der Route
  • Gemacht im: August 2022
  • Links zum Selberplanen: bergsteigen.com

Tourenbericht Große Zinne

Formvollendet stehen sie da und wollen bestiegen werden. Besonders die Große Zinne strahlt als höchster Punkt des ikonischen Dreigestirns eine ganz besondere Faszination aus. Während ihre Nordwand mit den extremen Routen (sowohl von der Länge als auch vom Schwierigkeitsgrad) Profis vorbehalten ist, bietet die etwas weniger abweisende Südostwand mit dem Normalweg auch ambitionierten Bergfreunden eine Möglichkeit, ihren Gipfel zu erreichen.

Bergsteiger vor den Drei Zinnen
Mein Mitstreiter Pazi vor den Drei Zinnen

Ausgangspunkt für eine Klettertour auf die Große Zinne ist die Auronzohütte (2.320 m) am Ende der Mautstraße zu den Drei Zinnen. Hier muss man früh dran sein – denn auch wenn der Parkplatz riesig ist, füllt er sich schnell. Oder, man macht es wie wir, reist am Vorabend an und schläft im Van. Das ist hier tatsächlich erlaubt und kostet je nach Fahrzeug (Stand 2022) mit einem Auto 30,- und einem Wohnmobil 45,- Euro pro Nacht bzw. 24 Stunden. Bitte beachten: Dafür wird KEINE Infrastruktur geboten. Sogar das öffentliche Klo war bei uns in der Nacht geschlossen. 

Parkplatz bei der Auronzo Hütte
Eine der Parkterrassen bei der Auronzohütte

Egal wie man es plant, ein früher Start ist empfehlenswert. Schließlich dauert die Tour rund sieben Stunden und es kann untertags ziemlich heiß werden. Da Klettern nicht gerade mein Steckenpferd ist, haben sich mein Mitstreiter Pazi und ich eine Bergführerin genommen. An dieser Stelle möchte ich euch die sympathische Lisi Steurer ans Herz legen – sie kennt die Tour wie ihr Chalkbag und ist mit 15 (!) schon die Nordwand der Großen Zinne geklettert.

Aufstieg auf die Große Zinne

Von der Auronzohütte muss man sich gut 200 Höhenmeter durch das Geröllfeld schlängeln, bevor man losklettern kann. Der Einstieg in die Tour liegt nämlich in der Scharte zwischen Kleiner und Großer Zinne. Am Weg dorthin waren wir noch alleine unterwegs. Als wir uns jedoch die Gurte anzogen und in die Route einstiegen, war es schnell vorbei mit der Einsamkeit. Realistisch betrachtet darf man sich – selbst bei einem frühen Start – nichts anderes erwarten. Immerhin ist es die Große Zinne und der Weg im unteren IV. Schwierigkeitsgrad technisch für viele machbar – vor allem mit Bergführer.

Und der oder die ist auf der Großen Zinne wirklich jeden Cent wert. Abgesehen davon, dass man sich nicht ums Sichern kümmern muss und so die Tour umso mehr genießen kann, ist die Wegfindung alles andere als einfach – Markierungen findet man nur selten. Ein weiterer Pluspunkt: Das Gelände ist des öfteren etwas weitläufiger und Lisi kannte so gut wie immer etwas versetzt eine Parallelroute, über die wir langsamere Seilschaften problemlos überholen konnten. 

So kletterten wir als Seilzweiter und -dritter eine genussvolle Seillänge nach der anderen Richtung Gipfel. Mit jedem Zug wurden die Aus- und Tiefblicke imposanter. Auch wenn die Tour rein technisch „einfach“ ist, darf man sie keinesfalls unterschätzen: Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine solide Grundkondition sind hier absolutes Muss! Die Schlüsselstelle ist ein kurzer glatter Kamin, den wir aber ohne weitere Probleme überwinden konnten.

Besonders gut gefielen mir die kurzen Gehpassagen. Vor allem das Terrassenband im oberen Bereich ist wirklich genial! Wenn man von der Ferne auf die Große Zinne blickt, kann man sich gar nicht vorstellen, dass es hier so ein Gelände gibt.

Einziger Nachteil des Bandes: Kurz danach ist der Spaß vorbei. Nach ziemlich genau drei Stunden erreichten wir ein paar schöne letzte Aufschwünge später nämlich schon den Gipfel der Großen Zinne. 

Gipfelbereich der Großen Zinne
Der erste Blick zum Gipfelkreuz

Und wir hatten richtig Glück! Da wir beim Aufstieg einige Seilschaften überholen konnten, hatten wir den Gipfel sogar eine viertel Stunde für uns alleine. Die beiden Seilschaften, die den Gipfel vor uns erreichten, machten sich gerade an den Abstieg, als wir hochkamen. Sogar die Fernsicht war genial und so bekamen wir von Lisi eine moderierte Gipfelschau der Extraklasse.

Abstieg von der Großen Zinne

Als die ersten Mitstreiter ihre Köpfe über die Kante strecken, machten wir uns zum Abstieg bereit. Und der hat es in sich! Wir mussten für mich komplexe Stellen abklettern und immer wieder wurden wir bis zu 60 Meter abgeseilt. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob wir alleine ohne Weiteres den Weg hinunter gefunden hätten. 

Vor allem, weil wir auf halber Höhe die bereits bekannte Route verließen. Über ziemlich ausgesetztes Gehgelänge querten wir am mittleren Felsband zur Westlichen Zinne, wo wir noch einmal – volle Konzentration! – in die Scharte abkletterten und dann über das steile Geröllfeld zurück zur Auronzohütte und einem wohlverdienten Bier abstiegen.

Blick vom mittleren Band der Großen Zinne Richtung Auronzo Hütte
Blick vom mittleren Felsband der Großen Zinne Richtung Auronzohütte

Fazit

Die Große Zinne ist mit Sicherheit eine der spektakulärsten Bergtouren, die ich bis jetzt gemacht habe. Die Atmosphäre, das Setting und Panorama sind umwerfend. Wenn es einem rein ums Klettern geht, gibt es in den Dolomiten bestimmt noch schönere Touren, aber als alpinistisches Gesamterlebnis ist die Große Zinne einfach ein Traum! Wie sagte Lisi so schön: „Die großen Klassiker sind nicht umsonst die großen Klassiker.“

Bergsteiger am Pfad etwas überhalb der Auronzo Hütte
Die letzten Meter geht es über das Geröllfeld zurück zur Auronzohütte

Jedem, der sich in so einem Gelände nicht 100 % zu Hause fühlt, würde ich unbedingt einen Bergführer empfehlen. Denn auch wenn maximal im unteren IV. Grad geklettert wird: Die Tour ist relativ lang, die Wegfindung schwierig und es gibt keinen einfachen Abstiegsweg – dieser verläuft im Großen und Ganzen entlang der Aufstiegsroute. Das bedeutet komplexes Abklettern und schwindelerregende Abseilpassagen. Hier muss man wirklich ganz genau wissen, was man wo und wie tut!

Tipp zur Verlängerung

Wenn ihr noch etwas Zeit habt, empfehle ich euch (im Idealfall am Abend, da ist das Licht am schönsten) eine kleine Wanderung (ca. 30 Minuten) von der Auronzohütte auf den gegenüberliegenden Monte Campedelle (2.362 m). Von dort habt ihr einen fantastischen Ausblick auf die Drei Zinnen und die Cadini-Gruppe.

Über mich
Griaß di!
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Ich heiße Daniel, bin Mitte 30 und komme aus Oberösterreich. Ich möchte auf Rauf und Davon meine Liebe zu den Gipfeln dieser Welt teilen und euch damit für euer nächstes Bergabenteuer inspirieren. Dir gefallen meine Berggeschichten? Dann folge mir doch und verpasse keine Inspiration mehr:

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