Der Kleine Kaserer im Tiroler Schmirntal, einem Seitental des Wipptals, ist ein wirklich großartiger Gipfel. Ohne Gletscherkontakt und mit nur kurzen Steilstufen, an denen die Hände etwas zum Einsatz kommen, zählt er zu Österreichs zugänglichsten Dreitausendern.
Toureninfos Kleiner Kaserer
- Lage: Österreich / Tirol / Zillertaler Alpen
- Ausgangspunkt: Kasern im Schmirntal
- Höhenmeter & Distanz: 1.700 hm | 19 km
- Höchster Punkt: 3.089 Meter
- Schwierigkeit gemäß SAC-Wanderskala: Anspruchsvolle Bergwanderung (T3)
- Gemacht im: Juli 2026
- Link zum Selberplanen: alpenvereinaktiv
Tourenbeschreibung Kleiner Kaserer
Der Kleine Kaserer gehört zu jenen Bergen, die vom Tal aus wie eine kleine Weltreise wirken. Rund 1.700 Höhenmeter und etwas mehr als 19 Kilometer wollen schließlich erst einmal bewältigt werden. Doch der Gipfel rückt überraschend schnell näher – und entpuppt sich als landschaftlich großartige und wunderbar einsame Bergtour. Ich habe ihn im Rahmen der Story „Dein erster 3.000er im Wipptal“ gemeinsam mit Thomas bestiegen.

Durch den Kaserer Winkl
Die Tour beginnt beim Alpengasthof Kasern (1.625 m). Von hier führt ein breiter Fahrweg immer tiefer in den Kaserer Winkl. Der Kleine Kaserer wacht dabei von Beginn an unübersehbar über dem Tal.

Wir waren früh unterwegs und konnten beobachten, wie die ersten Sonnenstrahlen langsam die Gipfel rund um den Talschluss zum Leuchten brachten – auf dem relativ flachen Zustieg ein willkommenes Schauspiel.

Nach etwas mehr als zwei Kilometern beginnt schließlich der eigentliche Anstieg zum Tuxer Joch – und das gemütliche Flanieren hat ein schlagartiges Ende.
In unzähligen Kehren zum Tuxer Joch
Der Weg zum Tuxer Joch schlängelt sich in mehr als 65 Kehren den Hang hinauf. Landschaftlich gehört dieser Abschnitt ehrlicherweise nicht zu den spektakulärsten der Tour, dafür überwindet man die rund 570 Höhenmeter äußerst effizient. Beinahe meditativ reiht sich eine Kehre an die nächste.
Spätestens beim Kreuz und dem Speichersee am Tuxer Joch (2.338 m) beginnt der landschaftlich immer schöner werdende Teil der Tour. Das Gelände wird weitläufiger und der Kleine Kaserer rückt in scheinbar greifbare Nähe.
Über die Frauenwand zum Kaserer Schartl
Vom Tuxer Joch folgt man dem Weg vorbei an der Weißen Wand in Richtung Frauenwand. Die grünen Hänge gehen nach und nach in steinigeres und alpineres Gelände über.
Die Frauenwand (2.541 m) ist schließlich der erste große Wow-Moment der Tour. Von ihrem Gipfel bietet sich ein fantastischer Rundumblick auf die umliegende Bergwelt und vor allem auf den Kleinen Kaserer. Erstmals lässt sich der gesamte Gratverlauf gut überblicken.
Nach einer kurzen Pause führt ein markierter Steig über schmale, teilweise versicherte Passagen hinunter zum Kaserer Schartl (2.484 m). Ab jetzt wird das Gelände noch einmal deutlich alpiner.
Der lange Grat zum Kleinen Kaserer
Ab dem Kaserer Schartl ist der Weg nicht mehr markiert oder beschildert. Die Steigspuren in Richtung Gipfel sind jedoch gut erkennbar, der Grat gibt die Richtung unmissverständlich vor.
Zunächst geht es über steile, zunehmend steinige Hänge bergauf. Mit jedem Höhenmeter wird die Landschaft rauer, bis von den grünen Almwiesen endgültig nichts mehr übrig ist. Man bewegt sich nun in typisch hochalpinem Gelände: steinig, stellenweise rutschig und teilweise richtig steil.
Im oberen Bereich wird der Steig immer wieder sehr schmal und Richtung Kaserer Winkel ziemlich abschüssig. Der Untergrund ist teilweise lose, hin und wieder kommen auch die Hände zum Einsatz. Wirklich schwierig ist die Route bei trockenen Verhältnissen nie, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier aber trotzdem Pflicht.
Am Gipfel des Kleinen Kaserers
Auf rund 2.900 Metern dreht der Grat nach Südwesten und gibt linkerhand einen spektakulären Tiefblick auf das Hintertuxer Gletscherskigebiet frei. Aussichtsreich geht es über die letzten rund 200 Höhenmeter dem Gipfel entgegen. Oben wartet eine fantastische Rundumsicht über die Zillertaler Alpen. Besonders eindrucksvoll ist der Blick zum benachbarten Olperer.
Mich hat der Kleine Kaserer vollkommen überrascht. Nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch wegen der Ruhe. Selbst bei besten Bedingungen waren kaum andere Menschen unterwegs. Für einen technisch vergleichsweise gut zugänglichen 3.000er ist das alles andere als selbstverständlich.
Abstieg über das Kaserer Schartl
Der Abstieg führt zunächst über den bereits bekannten Weg zurück ins Kaserer Schartl. Gerade auf den steilen und schmalen Passagen ist weiterhin volle Konzentration gefragt.
Ab dem Kaserer Schartl empfiehlt sich der direkte Abstieg links hinunter in den Kaserer Winkel. Landschaftlich lohnt sich diese Variante enorm. Im oberen Bereich stehen einem die Schöberspitzen beinahe ununterbrochen gegenüber.
Weiter unten wird die Szenerie zunehmend grüner und wildromantisch. Besonders schön sind die Rückblicke zum Kleinen Kaserer, der bald wieder hoch über dem Talschluss thront. Auf halbem Weg nach draußen trifft die Abstiegsvariante schließlich wieder auf den Aufstiegsweg.
Fazit zum Kleinen Kaserer
Der Kleine Kaserer ist ein fantastischer 3.000er – überraschend einsam, landschaftlich abwechslungsreich und noch einmal schöner, als ich erwartet hatte. Besonders ab dem Tuxer Joch steigert sich die Tour beinahe mit jedem Schritt. Die Frauenwand, der lange Gipfelgrat und die Aussicht Richtung Olperer machen die vielen Höhenmeter mehr als wett.
Trotz seiner vergleichsweise moderaten technischen Schwierigkeiten sollte man den Berg nicht unterschätzen. Rund 1.700 Höhenmeter und mehr als 19 Kilometer verlangen einen langen Atem. Dazu kommen der unmarkierte Gipfelanstieg sowie einige schmale und abschüssige Passagen.

Für konditionsstarke, trittsichere Bergwanderer ist der Kleine Kaserer dennoch ein großartiger 3.000er. Für mich war die rund neun Stunden Gehzeit jedenfalls überraschend kurzweilig – und über weite Strecken einfach der pure Berggenuss.
