Der Traunstein ist ein wahres Wanderparadies. Ich habe den Wächter des Salzkammerguts bereits auf den unterschiedlichsten Wegen bestiegen und möchte meine Erfahrungen in diesem Guide teilen – mit allen Wanderwegen, Hütten und zwei der schönsten Kletter(steig)touren.
Er ist zweifelsohne einer der markantesten und formschönsten Berge Oberösterreichs: der Traunstein. Steil abfallend zum Traunsee streckt er sich 1.691 Meter in den Himmel. Mit seinem beeindruckenden Blick vom Gipfel über das Salzkammergut und seinen vielfältigen Aufstiegsmöglichkeiten ist er sowohl für erfahrene Bergsteiger als auch für konditionsstarke, trittsichere Bergwanderer ein lohnendes Ziel.
Wanderkarte Traunstein
Anreise und Parkmöglichkeiten
Der Traunstein liegt am östlichen Ufer des Traunsees im oberösterreichischen Salzkammergut. Der einzige Parkplatz und Ausgangspunkt aller Wanderungen befindet sich beim Umkehrplatz am Ende der Traunsteinstraße. Da die Parkmöglichkeiten sehr begrenzt sind, muss man an schönen Tagen sehr früh dran sein, um noch einen Platz zu ergattern. Die aktuelle Auslastung des Parkplatzes kann man hier checken. Für den Hans-Hernler-Steig kann man alternativ auch entlang der Traunseestraße zwischen dem Gasthaus Hoisn und dem genannten Parkplatz nach einer Lücke suchen – hier gilt es jedoch die Parkregeln zu beachten!
Falls man keinen Parkplatz mehr findet, kann man in Gmunden beim Seebahnhof parken oder gleich öffentlich anreisen und mit dem Taxi bzw. an Wochenenden und Feiertagen mit dem Wanderbus zum Umkehrplatz fahren.
Alpinwanderungen auf den Gipfel des Traunsteins
Der Traunstein wird aufgrund seiner bescheidenen Höhe oft unterschätzt – sowohl konditionell als auch technisch. Grundsätzlich gilt: Alle Wege auf seinen Gipfel sind ernstzunehmende, alpine Bergtouren, bei denen man 1.300 Höhenmeter überwinden muss. Selbst der einfachste Weg führt durch steiles, absturzgefährdetes Gelände. Bis heute (Stand 2025) hat der Berg rund 150 Todesopfer gefordert. Wenn man den Traunstein ernst nimmt, bietet er aber wunderschöne Wege auf seinen Gipfel.
Anmerkung: Die Buchstaben und Zahlen in der Überschrift sind die Schwierigkeitsbewertungen der Wege gemäß der alpinen Schwierigkeitsskalen.
Naturfreundesteig (T4 & B)
Der Naturfreundesteig (Weg Nr. 414 / zur Topo) ist der technisch anspruchsvollste Weg auf den Traunstein. Sein Einstieg befindet sich nach dem zweiten Tunnel auf der Forststraße Richtung Mairalm. Der schwierigste Teil des Naturfreundesteigs wartet gleich zu Beginn. Gut abgesicherte, steile Klettersteigpassagen (bis B) wollen überwunden werden.
Hat man den ersten Aufschwung gemeistert folgt einfacheres Gehgelände mit vereinzelten Seilsicherungen (A). Zu den Highlights des Naturfreundesteigs zählen das Felsentor – ein markanter natürlicher Felstorbogen – und die wunderschönen, wieder etwas anspruchsvolleren seilversicherten Passagen (A/B) kurz unterhalb des Naturfreundehauses (1.580 m). Am Hochplateau angekommen wandert man die letzten 150 Höhenmeter gemütlich zum Gipfel, von dem aus man einen atemberaubenden Ausblick auf den Traunsee und die Berge des Salzkammerguts hat.
Weil die Frage immer wieder aufkommt, ob man für den Naturfreundesteig ein Klettersteigset und einen Helm braucht: Ich persönlich würde beides empfehlen. Am Traunstein ist oft viel Verkehr und ein Stein schnell losgetreten. Mit einem vollwertigen Set inklusive Helm ist man auf der sicheren Seite. Es gibt ausgesetzte Stellen, bei denen ein Absturz fatale Folgen haben kann.
Hans-Hernler-Steig (T3 & A/B)
Der Hans-Hernler-Steig (Weg Nr. 416 / zur Topo) liegt vom technischen Anspruch zwischen dem Mairalm- und dem Naturfreundesteig. Seine seilversicherten Passagen (bis A/B) sind einfacher als die des Naturfreundesteigs, aufgrund seiner schattigen Lage und Westexposition ist der Steig jedoch oft feuchter und rutschiger als seine beiden südlich exponierten Geschwister.
Der Weg beginnt zwischen dem Gasthaus Hoisn und dem Parkplatz beim Umkehrplatz und führt zunächst Richtung Kaltenbachwildnis. Ab etwa 700 Metern Seehöhe wird das Gelände felsiger. Im weiteren Verlauf führt der Hans-Hernler-Steig trittsichere Bergwanderer über immer wieder seilversicherte Passagen und Leitern zur Gmundnerhütte (1.666m), von der aus man in rund 15 Minuten den Gipfel erreicht.
Mairalmsteig (T3 & A/B)
Der Mairalmsteig (Weg Nr. 412) gilt als die älteste und technisch einfachste Variante, den 1.691 Meter hohen Gipfel des Traunsteins zu erreichen. Er wird auch gerne für den Abstieg genutzt. Vom Parkplatz Umkehrplatz führt die Forststraße südwärts auf die Rückseite bis zum sogenannten Kaisertisch nahe der Mairalm, wo der eigentliche Steig beginnt.
Über zahlreiche Serpentinen und Stufen gewinnt man rasch an Höhe und genießt immer wieder schöne Ausblicke auf das Lainautal. Je weiter man nach oben kommt, umso felsiger wird das Gelände. Auch am Mairalmsteig müssen stahlseilgesicherte Passagen (bis A/B) überwunden werden, die man besonders im oberen Teil nicht unterschätzen darf. Ein Highlight am Mairalmsteig ist das „Bründl“, die einzige Wasserquelle am Traunstein.
Klettertouren am Traunstein
Viele alpine Kletterrouten durchziehen die Wände des Traunsteins. Mit dem Südwestgrat möchte ich euch eine besonders schöne und verhältnismäßig einfache vorstellen. Außerdem möchte ich erfahrenen Ferratisten den Traunsee-Klettersteig ans Herz legen, der mit dem Hans-Hernler-Steig kombiniert werden kann.
Traunsee-Klettersteig (D)
Der Traunsee-Klettersteig (zur Topo) ist mit dem Schwierigkeitsgrad D als sehr schwierig bewertet und stellt – abgesehen von den Kletterrouten – die anspruchsvollste Variante dar, den Traunstein zu besteigen.
Die Via Ferrata zweigt etwa 150 Höhenmeter unterhalb der Gmundnerhütte vom Hernlersteig ab und ist nur erfahrenen Klettersteiglern mit sehr guter Kondition zu empfehlen – immerhin hat man beim Einstieg schon 1.000 Höhenmeter in den Beinen. Der Klettersteig ist sehr steil, stellenweise extrem ausgesetzt aber wunderschön zu klettern. Kurz: ein echtes Via-Ferrata-Highlight im Salzkammergut!
Südwestgrat (III+)
Kletterfans sollten den Südwestgrat (III+) auf ihre Wunschliste setzen. Die Kletterroute ist für Freunde von Gratklettereien ein Muss! Man darf sie aber auf keinen Fall unterschätzen.
Die Tour ist sehr lang und stellenweise wirklich ausgesetzt. Wenn man die nötigen Voraussetzungen mitbringt, ist die Klettertour jedoch ein Abenteuer, das man bestimmt nicht so schnell vergessen wird. Hier findet ihr meinen kompletten Tourentipp zum Südwestgrat auf den Traunstein.
Hütten am Traunstein
Am Hochplateau des Traunsteins befinden sich mit der Gmundner Hütte und dem Traunsteinhaus gleich zwei Hütten, die zum Verweilen einladen. Sie liegen nur rund 25 Gehminuten voneinander entfernt.
Gmundner Hütte (1.666 m)
Die Gmundner Hütte (zur Website) liegt direkt beim Ausstieg des Traunsee-Klettersteigs beziehungsweise des Hans-Hernler-Steigs am Fahnenkogel des Traunsteins. Sie eröffnet einen beeindruckenden Blick über den Traunsee und das Alpenvorland. Die Hütte verfügt über gemütliche Gastzimmer und serviert traditionelle österreichische Küche. Sie ist normalerweise von Anfang Mai bis Ende Oktober geöffnet und bietet Übernachtungsmöglichkeiten.
Traunsteinhaus (1.580 m)
Das Traunsteinhaus (zur Website) – auch bekannt als Naturfreundehaus – thront am Traunkirchner Kogel des Traunsteins. Es markiert das Ende des Naturfreundesteigs. Nach umfassenden Renovierungen in den Jahren 2013 und 2014 verbindet die Hütte traditionelle Gemütlichkeit mit moderner Architektur. Besucher können sich in der alten Zirbengaststube oder im neuen Gastraum mit Panoramafenster stärken. Die große Terrasse lädt zum Verweilen ein und bietet eine herrliche Fernsicht bis zum Dachstein und zu den Hohen Tauern. Das Traunsteinhaus ist von Mai bis Oktober geöffnet und bietet Schlafplätze in Zimmerlagern.
Schöne Wanderungen rund um den Traunstein
Natürlich gibt es auch für weniger Geübte die Möglichkeit, in den Genuss des Traunsteins zu kommen. Man kann sich dem steinernen Riesen beispielsweise bei der Traunstein-Umrundung oder am Miesweg von unten annähern.
Traunstein-Umrundung (T2)
Die Umrundung des Traunsteins bietet eine gute Möglichkeit, den imposanten Berg von allen Seiten zu erleben, ohne die anspruchsvollen Aufstiegsrouten bewältigen zu müssen. Abwechslungsreich führt die Runde auf 15 Kilometern und über 830 Höhenmeter um den Wächter des Salzkammerguts.
Die Tour ist auch für weniger geübte Wanderer mit solider Grundkondition machbar. Etwas Trittsicherheit muss man besonders im steilen Bereich um die Hohe Scharte (die Einsattelung zwischen Traun- und Katzenstein) auf der Ostseite des Traunsteins aber trotzdem mitbringen.
Miesweg (T2)
Nicht umsonst hat es der Miesweg in Oberösterreichs Endauswahl für die Jubiläumsausgabe von „9 Plätze – 9 Schätze“ 2023 geschafft. Das Naturjuwel am Ufer des Traunsees im Salzkammergut ist ein schön angelegter kurzer alpiner Steig, der sich knapp über dem Wasser an die steilen Felswände des Traunsteins schmiegt.
Er kann als Zustieg zum Naturfreunde- oder Mairalmsteig oder auch im Rahmen einer Traunstein-Umrundung mitgenommen werden. Mit herrlichen Badeplätzen ist er auch nach einer Traunstein-Besteigung einen Abstecher wert. Hier findet ihr meinen kompletten Tourentipp zum Miesweg am Traunstein.
Zusammenfassung
Der Traunstein ist kein Spaziergang – aber genau das macht seinen Reiz aus. Wer sich auf diesen markanten Gipfel im Salzkammergut einlässt, wird mit beeindruckenden Tiefblicken, spektakulären Aufstiegen und echtem Hüttenflair belohnt.
Ob über seilversicherte Steige, einen sportlichen Klettersteig oder eine rassige Gratkletterei – der Weg zum Gipfel verlangt Kondition, Trittsicherheit und Respekt vor dem Gelände. Dafür schenkt einem der Traunstein ein Bergerlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Und selbst wer den Gipfel nicht erklimmen möchte, findet rund um den Wächter des Salzkammerguts lohnende Wanderwege.
Herzlichen Dank an die Bergrettung Gmunden für die Kontrolle der genannten Fakten und eure Einsatzbereitschaft am Traunstein!