Wandern am Schneeberg: Die schönsten Routen und Steige

Guide mit Wanderkarte für den höchsten Berg Niederösterreichs

Ich liebe den Schneeberg und habe ihn von allen Seiten aus mehrmals bestiegen. In diesem Guide stelle ich euch meine schönsten Wanderungen auf den höchsten Berg von Niederösterreich vor. Außerdem habe ich ein paar Tipps für einen Schneeberg-Tag mit der Bahn.

Vorab zur Begriffsklärung, damit es zu keiner Verwirrung kommt: Schneeberg heißt genau genommen das ganze Massiv. Das Klosterwappen ist mit 2.076 Metern der höchste Gipfel des Schneeberg-Massivs – und Endpunkt aller beschriebenen Bergtouren.

Inhaltsverzeichnis

Der überraschend alpine Schneeberg

Von weitem wirkt der Schneeberg wie ein breiter, gutmütiger Riese am Rand der Alpen. Doch wer schon einmal auf seinen Steigen und Graten unterwegs war, weiß: Niederösterreichs höchster Berg kann überraschend alpin sein. Zwischen Fadenwänden, Breiter Ries, Novembergrat, Weichtalklamm und Stadelwandgraben zeigt der Schneeberg eine wilde Seite, die man so nah an Wien nicht unbedingt erwarten würde. Mit 2.076 Metern ist er nicht nur der höchste Berg Niederösterreichs, sondern auch der östlichste Zweitausender der Alpen

Der Schneeberg
Der Schneeberg © Wiener Alpen / Zwickl

Wer den Schneeberg besteigen möchte, hat viele Möglichkeiten. Während sich die Westseite vergleichsweise sanft präsentiert, führen auf der Nord- und Ostseite alpine Steige auf das Hochplateau.

Und auch wer es gemütlicher angehen möchte, kann den Schneeberg wunderbar erleben: Mit der Schneebergbahn geht es bequem hinauf zum Hochschneeberg, wo leichte Rundwege und die Bahnwanderung zurück nach Puchberg warten.

Die schönsten Alpinwanderungen auf den Schneeberg

Vier Touren gefallen mir am Schneeberg besonders gut: der Fadensteig (grün), der Nandlgrat (gelb), der Novembergrat (blau) und die Runde durch die Weichtalklamm und den Stadelwandgraben (rot). Ich möchte sie euch kurz einzeln vorstellen.

Fadensteig: Der Klassiker auf den Schneeberg

Der Fadensteig ist wahrscheinlich der bekannteste alpine Anstieg auf den Schneeberg. Gestartet wird bei der Talstation der Schneeberg Sesselbahn in Losenheim. Die ersten 400 (zugegeben wenig lohnenden) Höhenmeter entlang der Skipiste zur Edelweißhütte kann man mit dem Sessellift abkürzen – sofern er in Betrieb ist. Danach wird es alpin und landschaftlich schön: Der Steig zieht durch Wald, Latschen und felsiges Gelände hinauf zu den Fadenwänden und durch sie weiter auf das Hochplateau.

Im oberen Teil des Fadensteigs

Unterwegs gibt es kurze seilversicherte Passagen. Man braucht Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Oben angekommen, geht es über das weitläufige Plateau weiter Richtung Fischerhütte und Klosterwappen. Landschaftlich ist der Fadensteig ein großartiger, direkter Schneeberg-Anstieg – an schönen Tagen allerdings auch entsprechend gut besucht.

Beim Abstieg auf der sanften Westseite des Schneebergs
Beim Abstieg auf der sanften Westseite des Schneebergs

Mit einem Abstieg über die Westseite – zum Beispiel über den Schauerstein, durch den Wurzengraben oder durch den Schneegraben – ergibt sich eine abwechslungsreiche Runde, bei der man beide Gesichter des Schneebergs kennenlernt.

Nandlgrat: Ruhiger Grat mit alpinem Charakter

Der Nandlgrat ist eine wunderbare Alternative zum Fadensteig: etwas ruhiger, etwas wilder und landschaftlich mindestens genauso eindrucksvoll. Bis zur Edelweißhütte teilt er sich den Anstieg mit dem Fadensteig (siehe oben). Danach folgt man dem Nördlichen Grafensteig bis zur Abzweigung des Nandlgrats.

Zwei Wanderer am Nandlgrat auf den Schneeberg
Einfach ein Traum: der Nandlgrat auf den Schneeberg

Dort beginnt der spannende Teil. Gehgelände wechselt sich mit leichter Kletterei ab, immer wieder braucht man die Hände, einzelne Passagen sind ausgesetzt. Besonders beeindruckend sind die Einblicke in die Breite Ries und die felsige Ostseite des Schneebergs. Der letzte Aufschwung ist mit Fixseilen gesichert, bevor man das Hochplateau erreicht. Absteigen kann man entweder über den Fadensteig oder ebenfalls über die Westseite wie oben beschrieben.

Novembergrat: Wilder Geheimtipp mit langem Atem

Der Novembergrat gehört zu den weniger begangenen, aber meiner Meinung nach besonders lohnenden Anstiegen auf den Schneeberg. Gestartet wird im Schneebergdörfl, von wo man sich Schritt für Schritt in Richtung Grat vorarbeitet. Im Vergleich zu Nandlgrat und Fadensteig ist hier normalerweise deutlich weniger los. Beim Novembergrat bekommt man eine echte alpine Unternehmung mit beachtlicher Länge geboten.

Die letzten Meter am Novembergrat
Die letzten Meter am Novembergrat

Der Novembergrat bietet eindrucksvolle Einblicke in die Krumme Ries, immer wieder kurze Kletterstellen und teils ausgesetztes Gelände. Wer das Klosterwappen mitnimmt und über den Oberen Herminensteig oder den Schneidergraben absteigt, muss mit einer langen, fordernden Runde rechnen: rund 23 Kilometer, 1.500 Höhenmeter und ein Abstieg, der auch am Ende noch volle Konzentration verlangt. Der Novembergrat zweifelsohne die anspruchsvollste Tour in dieser Liste.

Weichtalklamm und Stadelwandgraben: Spektakuläre Runde von Süden

Die Runde durch die Weichtalklamm auf das Klosterwappen und über den Stadelwandgraben zurück ins Tal zählt zu den abwechslungsreichsten Unternehmungen am Schneeberg. Startpunkt ist das Weichtalhaus im Höllental. Bereits der Aufstieg durch die Weichtalklamm ist ein kleines Abenteuer: eng, steil, wild und stellenweise mit Leitern, Tritten und Ketten versichert. Wegen der Steinschlaggefahr ist ein Helm Pflicht.

Nach der Klamm führt der Weg weiter zur Kienthalerhütte und über das Witzanikreuz hinauf Richtung Gipfel. Der Abstieg über Südrücken, Märchenwiese und Stadelwandgraben bleibt ebenfalls lange spannend und verlangt bis zum Schluss Konzentration. Tipp: Macht unbedingt beim Abstieg den kurzen Abstecher auf den Gipfel der Stadelwand! Der Blick ins Höllental ist ein Traum. Mit 1.630 Höhenmetern ist diese Runde die höhenmeterreichste Unternehmung in dieser Auswahl.

Mit der Schneebergbahn auf den Schneeberg

Man muss den Schneeberg nicht zwingend von ganz unten besteigen, um in den Genuss seines Gipfelpanoramas zu kommen. Die Schneebergbahn macht den Berg auch für Familien und Genusswanderer zugänglich. Von Puchberg am Schneeberg fährt die Zahnradbahn hinauf zum Bergbahnhof Hochschneeberg auf rund 1.800 Meter Seehöhe.

Oben angekommen, bieten sich mehrere Wanderungen an. Besonders einfach ist das Paradies der Blicke, ein leichter Rundweg beim Bergbahnhof. Der Weg eignet sich ideal für Familien, Einsteiger und alle, die ohne große Anstrengung das Schneeberg-Panorama genießen möchten.

Wer etwas weiter gehen möchte, wählt die Plateauwanderung zur Fischerhütte und zum Klosterwappen. Vom Bergbahnhof führt der Weg über das Hochplateau Richtung Damböckhaus, Fischerhütte und weiter zum höchsten Punkt des Schneebergs. Insgesamt müssen rund 7 Kilometer und 280 Höhenmeter überwunden werden. Auch wenn diese Tour technisch deutlich einfacher ist als die alpinen Anstiege von unten, sollte man das Plateau nicht unterschätzen: Bei Nebel, Wind oder Gewitter kann es hier oben schnell ungemütlich werden.

Fischerhütte am Schneeberg
Fischerhütte am Schneeberg © Wiener Alpen/ Franz Zwickl

Eine weitere schöne Möglichkeit ist die Bahnwanderung entlang der Schneebergbahn. Dabei fährt man zunächst mit der Bahn hinauf und wandert anschließend entlang der Strecke rund drei Stunden zurück nach Puchberg.

Beste Zeit und Hütten am Schneeberg

Die beste Zeit für die alpinen Schneeberg-Anstiege ist meist vom späten Frühjahr bis in den Herbst. Entscheidend sind aber immer die aktuellen Verhältnisse. Altschneefelder, Nässe, Nebel oder starker Wind können die Steige deutlich komplexer machen. In der Weichtalklamm kommt zusätzlich die Steinschlaggefahr dazu.

Wanderer am Hochplateau des Schneebergs
In der Übergangszeit muss man mit Restschneefeldern rechnen

Einkehrmöglichkeiten gibt es je nach Route mehrere: etwa die Edelweißhütte, die Fischerhütte, das Damböckhaus, die Kienthalerhütte, das Weichtalhaus oder das Almreserlhaus. Die Öffnungszeiten sind allerdings saison- und wetterabhängig. Vor allem bei langen Touren sollte man deshalb nicht fix damit rechnen, unterwegs immer versorgt zu werden.

Schneeberg von der Rax aus
Auch im Herbst eine Augenweide: der Schneeberg von der Rax aus

Fazit: Warum der Schneeberg so besonders ist

Der Schneeberg ist einer der vielseitigsten Wanderberge im Osten Österreichs. Wer einen alpinen Anstieg sucht, findet mit Fadensteig, Nandlgrat, Novembergrat und der Runde durch Weichtalklamm und Stadelwandgraben vier großartige Möglichkeiten, den höchsten Berg Niederösterreichs von seiner wilden Seite kennenzulernen. Jede dieser Touren hat ihren eigenen Charakter.

Gipfelselfie am Schneeberg
Ich liebe den Schneeberg <3

Gleichzeitig bleibt der Schneeberg ein Berg für alle. Dank der Schneebergbahn können auch Familien, Genusswanderer und Einsteiger hoch hinaus, ohne eine lange und anspruchsvolle Bergtour gehen zu müssen. Genau diese Mischung macht den Reiz aus: Der Schneeberg kann fordernd, steil und alpin sein – aber auch zugänglich, aussichtsreich und überraschend gemütlich. 

Wer hier schreibt
Griaß di!
Griaß di!
Ich heiße Daniel, bin Mitte 30 und liebe die Berge. Ich möchte dich mit Rauf und Davon für dein nächstes Bergabenteuer inspirieren und dir das nötige Know-how dafür mit auf den Weg geben. Dir gefallen meine Geschichten? Dann folge mir doch ☺️
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