So findest du lawinensichere Skitouren

Entstanden in liebevoller Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Alpenverein

Ich werde immer wieder gefragt, wie und wo man lawinensichere Skitouren findet. Also habe ich mich hingesetzt und in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Alpenverein diesen Beitrag verfasst.

Lawinen sind die größte Gefahr für uns Wintersportler und wir wollen sie natürlich um jeden Preis vermeiden. Möchte man eine lawinensichere Skitour finden bzw. planen, habe ich folgende Tipps, die dabei helfen.

Inhaltsverzeichnis

1. Bleibe in einem Gelände mit weniger als 30° Hangneigung

Der erste Punkt ist auch gleich der wichtigste und unabhängig vom Lawinenlagebericht gültig. Wenn du auf der Suche nach lawinensicheren Skitouren bist, bleibe „einfach“ unter 30° Hangneigung. Denn rein physikalisch kann unter 30° keine Lawine abgehen – das Gelände ist schlichtweg zu flach.

Geländeformen beim SKitourengehen
Je nach Lawinenwarnstufe muss das Gelände kritisch beurteilt werden © ÖAV Bergsport / G. Sojer

Aber Achtung: Das gilt nicht nur für die Aufstiegsspur, sondern – je nach Lawinenwarnstufe – für das gesamte Gelände rundherum. Absolut lawinensicher bist du nur unterwegs, wenn die ganze Geländekammer unter 30° Neigung ist. Denn auch aus den dich umgebenden Hängen können (in der Regel ab Lawinenwarnstufe 3) spontan Lawinen abgehen.

Wie findet man das passende Gelände?

Mittlerweile kann man auf allen gängigen Tourenportalen die Hangneigung als Layer einblenden. Auf alpenvereinaktiv ist beispielsweise Gelände mit weniger als 30° Hangneigung farblos.

Karte mit eingezeichneter Hangneigung

Als Pro-User kannst du auf alpenvereinaktiv zusätzlich die ATHM-Layer (Avalanche Terrain Hazard Map) einblenden. Diese geniale Karte zeigt an, „inwieweit das Gelände in der Nähe eines Punktes die Auslösung einer Lawine durch einen Wintersportler begünstigt. Sie stützt sich ausschließlich auf die Eigenschaften des Geländes: Hangform, Hanggröße, Hangneigung und Bewuchs in der Umgebung des betreffenden Punktes. Die Stabilität der Schneedecke wird nicht berücksichtigt.“

Im direkten Vergleich mit der Hangneigung kann man beispielsweise erkennen, dass ein potentieller Auslaufbereich (Punkt 1) ebenfalls als „Gefahrenzone“ markiert wird. Ein steiler Grat hingegen (Punkt 2) nicht lawinengefährdet ist.

Vor Ort gilt als gängiger Richtwert zur Einschätzung der Hangneigung: Kann man im Aufstieg noch Bögen gehen, ist man unter 30°. Braucht man bereits Spitzkehren, ist das Gelände steiler. Felsdurchsetztes Gelände ist mindestens 40° steil.

Spuren beim der Abfahrt vom Kalkbretterkopf
Gutmütiges Almgelände (wie hier am Kalkbretterkopf) ist bei vernünftiger Spuranlage oftmals relativ lawinensicher

2. Checke den Lawinenlagebericht

Möchte man eine Tour in einem Gelände mit mehr als 30° Hangneigung gehen, führt kein Weg am Lawinenlagebericht vorbei. Dieser wird am Vorabend um 18:00 Uhr für den Folgetag online gestellt.

Darin findest du die vorherrschende Gefahrenstufe sowie das vorherrschende Lawinenproblem. Darüber hinaus die Exposition und Höhenlage, in denen die Gefahrenstellen zu finden sind. On top kannst du dort etwas über den Schneedeckenaufbau, das Wetter und die Tendenz nachlesen. Wenn du all das beachtest, kannst du eine relativ lawinensichere Tour planen.

Lawinenlagebericht von Salzburg © lawine.salzburg.at

Bitte beachten: Die Lawinenlageberichte werden für ganze Regionen herausgegeben und sind damit als Richtwert zu verstehen. Sie sind keine exakte Wissenschaft, denn man kann natürlich nicht in jeden einzelnen Hang hineinschauen.

Das bedeutet: In der Praxis kann es Abweichungen geben. Man muss unterwegs also immer die Augen offen haben und den Bericht mit der Realität abgleichen. Darum kann man sich in Bezug auf Lawinensicherheit auf den Lawinenlagebericht auch nicht so sehr wie auf ein Gelände unter 30° verlassen.

3. Skitourenguru, dein neuer Freund und Helfer

Als dritten Tipp habe ich diese geniale Website, die zusätzlich zum Lawinenlagebericht bei der Suche nach einer möglichst lawinensicheren Skitour helfen kann. Skitourenguru selbst beschreibt sich folgendermaßen:

Skitourenguru unterstützt dich bei der Auswahl und Planung einer geeigneten Skitour mit tiefem Lawinenrisiko. Zu diesem Zweck weist Skitourenguru tausenden Skitouren des Alpenraumes täglich ein Lawinenrisiko zu. Zusätzlich markiert Skitourenguru statische Schlüsselstellen.“

Screenshot von Skitourenguru
Screenshot von Skitourenguru © skitourenguru.ch

Dafür wird – basierend auf den Daten des Lawinenlageberichts, der digitalen Karte und des GPX-Tracks – das spezifische Gefahrenpotenzial jeder einzelnen Skitour im System (über 2.500 Touren alleine in den Ostalpen) berechnet. Aber wie auch beim Lawinenlagebericht gilt:

Vor Ort und im Einzelhang werden in der Regel Informationen zugänglich, die Skitourenguru nicht zur Verfügung stehen. Die auf Skitourenguru dargestellten Informationen unterliegen zudem Unsicherheiten (siehe Handbuch). Skitourenguru darf daher nicht das einzige Kriterium zur Begehung eines Einzelhanges sein.

Trotzdem handelt es sich dabei um ein super Tool, schnell eine Auswahl an Touren zu finden, die aktuell zumindest in der Theorie ein geringes Gefahrenpotenzial aufweisen.

4. Pistentouren als lawinensichere Alternative

Startpunkt der Skitour Gipfelsieg in Sportgastein
Pistenskitour in Sportgastein

Ist die Lawinengefahr im Gelände zu hoch und / oder man findet keine Tour unter 30° Hangneigung, dann bleibt eine Pistenskitour bzw. ausgeschilderte Skitour im gesicherten Skiraum eine Option. Natürlich ist das freie Gelände die schönere Alternative, aber bevor man gar nicht geht, dann doch entlang der Piste 🙂 .

Zusammenfassung

  • Möchte man das Lawinenrisiko physikalisch ausschließen, bleibt man in einem Gelände mit weniger als 30° Hangneigung.
  • Plant mein eine Tour in lawinengefährdetem Gelände, dann gilt der Lawinenlagebericht als wichtigste Informationsquelle, um eine möglichst lawinensichere Tour zu planen. Zusätzlich kann man bei der weiteren Recherche Skitourenguru als Helferlein befragen. Bei beiden bleibt jedoch ein gewisses Restrisiko.
  • Ebenfalls so gut wie lawinensicher sind Pistenskitouren beziehungsweise ausgeschilderte Skitouren im gesicherten Skiraum. Sie sind zwar vielleicht weniger lohnend als Touren im Gelände, dafür eine gute Alternative bei schlechtem Wetter oder zu hoher Lawinengefahr.

Mehr zum Thema im Schwerpunkt Lawinenwissen

Dieser Beitrag ist Teil meines Schwerpunkts rund um Lawinen. Dazu gehören folgende Artikel:

Der Alpenverein hat zum Thema Lawinen ebenfalls ein paar empfehlenswerte Videos produziert:

Sicher auf Skitour | Trailer | SicherAmBerg

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