So verhältst du dich bei der jeweiligen Lawinenwarnstufe richtig

Entstanden in liebevoller Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Alpenverein

Lawinen zählen für uns Wintersportler zu den größten Gefahren im freien Gelände. Darum ist es auch so wichtig, den Lawinenlagebericht zu lesen und vor allem zu verstehen. Gemeinsam mit dem Alpenverein möchte ich euch dafür die wichtigsten Basics mit auf den Weg geben. Im ersten Teil des Lawinenschwerpunkts geht es um die Lawinenwarnstufen, was sie bedeuten und wie man sich richtig bei der jeweiligen Stufe verhält.

Hangneigung und Gelände

Bevor wir uns die Lawinenwarnstufen im Detail anschauen, müssen wir uns kurz mit einigen Basics zum Thema Hangneigung und Gelände auseinandersetzen.

Hangneigung

Spuren am Heidentempel
Der Gipfelhang auf den Heidentempel im Großarltal kratzt stellenweise an den 30°

Die Neigung des Geländes ist von entscheidender Bedeutung in Bezug auf das Lawinenrisiko! Ab einer Neigung von etwa 30° können Lawinenabgänge auftreten, wobei die durchschnittliche Steilheit bei Skifahrerlawinen knapp unter 40° liegt. Um die Hangneigung zu bestimmen, wird die steilste Stelle des Hanges über einen Höhenunterschied von 20 Metern berücksichtigt.

Das Schöne an der heutigen Zeit ist, dass man die Hangneigung nicht mehr mit Lineal und Höhenlinien selbst berechnen muss. Moderne Karten – wie zum Beispiel auf alpenvereinaktiv – haben bereits Ebenen mit Hangneigung, die man ein- und ausblenden kann.

Die Karte zeigt genau, wie steil das Gelände ist; Grafik rechts © ÖAV Bergsport / G. Sojer

Die Hangneigung wird in vier Klassen unterteilt:

  1. mäßig steil: Die Hangneigung weist weniger als 30° auf. Auf der Karte sind diese Bereiche nicht eingefärbt bzw. weiß. Bei dieser Hangneigung werden Richtungswechsel noch in Bögen gegangen. Die Wahrscheinlichkeit, hier selbst eine Lawine auszulösen, ist äußerst gering.
  2. steil: Die Hangneigung weist 30° bis 34° auf. Auf der Karte sind diese Bereiche gelb markiert. Ab ca. 30° kommt im Aufstieg die Spitzkehrentechnik zum Einsatz. Ab steilem Gelände können Lawinen entstehen.
  3. sehr steil: Die Hangneigung weist 35° bis 39° auf. Auf der Karte sind diese Bereiche orange eingezeichnet.
  4. extrem steil: Die Hangneigung ist größer oder gleich 40°. Auf der Karte sind diese Bereiche rot markiert. Oft ist das Gelände ab dieser Steilheit felsdurchsetzt.

Gelände

Je nach Lawinenwarnstufe müssen drei unterschiedliche Bereiche im Gelände beachtet werden: die Umgebung der Spur (+/- 20 Meter), der ganze Hang oder die komplette Geländekammer.

© ÖAV Bergsport / G. Sojer

Die Lawinenwarnstufen

Mit der Hangneigung und den Geländeformen haben wir jetzt alle nötigen Grundlagen, um zu verstehen, wie wir uns bei welcher Lawinenwarnstufe verhalten müssen. Der Lawinenlagebericht setzt sich aus folgenden fünf Stufen – von „gering“ bis „sehr groß“ – zusammen:

Stufe 1: gering

Piktogramm Lawinenwarnstufe 1
  • Lawinenauslösung: Nur bei großer Zusatzbelastung an Einzelstellen im extremen Steilgelände möglich.
  • Häufigkeit: ungefähr ein Fünftel des Winters ausgegeben
  • Todesfälle: ca. 3 % der Todesopfer
  • Richtiges Verhalten: Bei Stufe 1 gibt es laut Lehrmeinung so gut wie keine pauschalen Einschränkungen. Trotzdem gilt es, den Lawinenlagebericht genau zu studieren und Gefahrenstellen bestmöglich zu meiden.

Stufe 2: mäßig

Piktogramm Lawinenwarnstufe 2
  • Lawinenauslösung: Vor allem bei großer Zusatzbelastung an den angegebenen Steilhängen möglich.
  • Häufigkeit: ungefähr die Hälfte des Winters ausgegeben
  • Todesfälle: ca. 25 % der Todesopfer
  • Richtiges Verhalten: Bei Stufe 2 darf der Bereich der eigenen Spur (20 Meter links und rechts davon) nicht steiler als 40° sein.

Stufe 3: erheblich

Piktogramm Lawinenwarnstufe 3
  • Lawinenauslösung: Bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich.
  • Häufigkeit: ungefähr ein Drittel des Winters
  • Todesfälle: ca. 60 % der Todesopfer
  • Verhalten: Bei Stufe 3 darf der ganze Hang über und unter dir nicht steiler als 35° sein.

Stufe 4: groß

Piktogramm Lawinenwarnstufe 4
  • Lawinenauslösung: Bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich.
  • Häufigkeit: wenige Tage im Winter ausgegeben
  • Todesfälle: ca. 10 % der Todesopfer
  • Richtiges Verhalten: Bei Stufe 4 darf die komplette Geländekammer nicht steiler als 30° sein.

Stufe 5: sehr groß

Piktogramm Lawinenwarnstufe 5
  • Lawinenauslösung: Spontan sind große, mehrfach auch sehr große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten.
  • Häufigkeit: sehr selten prognostiziert
  • Todesfälle: Katastrophenlawinen, für Skitouren nicht relevant
  • Richtiges Verhalten: Bei Stufe 5 begeben wir uns als Wintersportler nicht ins freie Gelände. Oder unternehmen Pistenskitouren im gesicherten Skiraum.

Zusammenfassung

Wenn man den Lawinenlagebericht kennt und weiß, was es bei welcher Lawinenwarnstufe zu beachten gilt, lässt sich das Restrisiko auf ein Minimum reduzieren. Der Alpenverein hat das im Cardfolder Skitouren wie folgt zusammenfasst. Hält man sich an diese Spielregeln, dann ist man in den meisten Fällen auf der sicheren Seite.

Lawinenwarnstufe mit Einschränkungen
© ÖAV Bergsport

Mehr zum Thema im Schwerpunkt Lawinenwissen

Dieser Beitrag ist Teil meines Schwerpunkts rund um Lawinen. Dazu gehören folgende Artikel:

Der Alpenverein hat zum Thema Lawinen ebenfalls ein paar empfehlenswerte Videos produziert:

Playlist: Skitouren | SicherAmBerg
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