Schareck (3.123 m): Überschreitung im Gasteinertal

Eine Gratwanderung der Superlative

Das Schareck ist eine wuchtige Berggestalt zwischen dem Salzburger Gasteiner- und Raurisertal. Während der Gipfel von der Bergstation des Skigebiets Mölltaler Gletscher/Flattach in wenigen Minuten aus erreicht werden kann, bieten sein West- und Ostgrat alpine Gustostückerl, die in der Region ihresgleichen suchen.

Toureninfos

  • Lage: Österreich / Salzburg / Goldberggruppe
  • Ausgangspunkt: Sportgastein 
  • Höhenmeter & Distanz: 1.690 hm | 15,5 km
  • Höchster Punkt: 3.123 Meter
  • Schwierigkeit: Alpiner Steig mit leichter Kletterei (I), Klettersteig B & Gletscherkontakt
  • Schlüsselstelle: Steile Platte (B) mit Trittstiften kurz nach der Herzog-Ernst-Spitze
  • Gemacht im: Juli 2023
  • Link zum Selberplanen: alpenvereinaktiv

Da ich familiär bedingt oft im Gasteinertal bin, lacht mich das Schareck seit Jahren an. Zu imposant ist seine Erscheinung, zu schön seine Form! Leider hat es zeit-, wetter- oder krankheitsbedingt bis jetzt nie gepasst. Heuer war es aber soweit und ich konnte den zweithöchsten Gipfel der Goldberggruppe endlich überschreiten. Rauf ging es über den Pröllweg (Westgrat) und hinunter über den Neuwirthsteig (Ostgrat).

Tourenbeschreibung der Schareck Überschreitung

Ausgangspunkt der Tour ist Sportgastein, das öffentlich und mit dem Auto über die kostenpflichtige Gasteiner Alpenstraße erreichbar ist. Der landschaftlich schöne Talschluss liegt bereits auf 1.600 Metern. Diese hohe Lage ermöglicht es konditionsstarken Berggehern, den wunderschönen Dreitausender als Tagestour anzulegen. Wenn man es gemütlich angehen möchte, verbringt man eine Nacht im Niedersachsenhaus.

Hoch zum Niedersachsenhaus 

Wenn man sich für die Überschreitung als Tagestour entscheidet, empfiehlt sich ein frühestmöglicher Start. Die Mautstraße öffnet bei Schönwetter um 07:00 Uhr. Dementsprechend begann ich meinen Aufstieg kurz danach bei wunderschönem Morgenlicht.

Der erste, technisch einfache Teil der Tour führt vom Valeriehaus westwärts über den Hermann-Bahlsen-Weg hoch zum Niedersachsenhaus (2.471 m). Ein paar Stellen sind seilversichert, dürfen aber, wenn man die Überschreitung machen will, kein Problem sein. Sollte man sich hier schon unwohl fühlen, dreht man am besten gleich wieder um. 

Bis zum Niedersachsenhaus muss man knapp 900 landschaftlich traumhafte Höhenmeter überwinden. Die Blicke zurück ins Tal wie auch Richtung Riffelscharte und hoch zum wuchtigen Schareck sind einfach genial. Kein Wunder, dass mir bei dieser Landschaft der Aufstieg zur Hütte so kurz vorkam.

Weiter über den Pröllweg aufs Schareck

Unterwegs am Pröllweg, der immer entlang des Grats verläuft
Unterwegs am Pröllweg, der immer entlang des Grats verläuft

Direkt auf der Terrasse des Niedersachsenhaus startet mit dem Pröllweg der technisch anspruchsvolle Teil der Tour. Immer am oder direkt neben dem Westgrat führt der 4 Kilometer lange Pfad in einem großen Linksbogen auf den Gipfel des Schareck. Am Weg nimmt man den Neunerkogel (2.825 m) und die Herzog-Ernst-Spitze (2.933 m) mit. 

Der Pröllweg war für mich der pure Genuss. Durchgehend aussichtsreich wechseln sich leichte Kletterstellen (bis I), seilversicherte Passagen (bis B) und teilweise sehr ausgesetztes Gehgelände ab. Da ich auf Nummer sicher gehen wollte, war ich mit Klettersteigset unterwegs. Manche seilversicherten Passagen waren sehr nass – ein Ausrutschen hätte hier fatale Folgen gehabt. Grundsätzlich würde ich jedem empfehlen, das Set zumindest im Rucksack mitzunehmen. Ich muss gestehen, ich fand die „Klettersteigpassagen“ anspruchsvoller, als ich sie in der einen oder anderen Beschreibung gelesen habe. An einigen rutschigen Stellen hätte ich ohne Set ein mulmiges Gefühl gehabt.

Blockgelände im oberen Bereich des Pröllwegs am Schareck
Blockgelände im oberen Bereich des Pröllwegs

Im oberen Bereich weicht der ausgesetzte Pfad immer mehr einfachem Blockgelände über das man weiter Richtung Gipfel steigt. Kurz nach der Herzog-Ernst-Spitze erreicht man die Schlüsselstelle der Tour: eine steile, mit Trittstiften versehene Felsplatte. Eine Stahlseilsicherung (B) entschärft die kurze Steilstufe zusätzlich. 

Hat man den Aufschwung überwunden, wird das Gelände wieder einfacher. Immer schön am Grat geht es die letzten etwas mehr als 100 Höhenmeter zum Gipfel. Leider hatte ich etwas Pech mit dem Wetter, denn der obere Bereich des Scharecks hing in den Wolken. Dementsprechend hielt mich am Gipfel nicht viel und ich machte mich zügig an den Abstieg.

Abstieg über den Ostgrat

Der Weg nach unten über den Ostgrat ist mindestens so anspruchsvoll wie der Aufstieg. Zunächst geht es über einen einfachen, seilversicherten aber extrem ausgesetzten Grat Richtung Bergstation. Auf rund 3.100 Metern zweigt der weitere Abstieg nordwärts ab. Über den Gletscher geht es Richtung Aperes Schareck (2.970 m). Je nach Verhältnissen können hier Steigeisen oder Grödel nötig sein. 

Vor allem bei schlechter Sicht muss man am Gletscher aufpassen, dass man nicht zu weit rechts zur Abbruchkante gerät. Ich hatte im oberen Bereich ein ziemliches Whiteout und habe mich am gpx-Track orientiert. Der hätte mich aber tatsächlich über die Kante hinausgeführt. Also bitte die Augen offen halten und nicht blind dem Track folgen. Bei guter Sicht stellt die Orientierung am Gletscher aber kein Problem dar. Am Aperen Schareck hieß es für mich dann kurz durchschnaufen. Endlich hatte ich wieder Sicht. 

Der schmale und steile Neuwirthsteig

Weiter geht es am stellenweise extrem steilen Neuwirthsteig. Auf dem schmalen Pfad bewegt man sich so gut wie durchgehend im Absturzgelände. Auch wenn die Beine nach 1.600 Höhenmeter schon etwas müde sind: hier heißt es durchgehend voll konzentriert bleiben. Immer wieder gibt es seilversicherte Passagen (bis B) und die eine oder andere kurze Kletterstelle (bis I). Ich persönlich empfand den Abstieg mindestens genauso anspruchsvoll wie den Aufstieg über den Pröllweg und hatte auch hier mein Klettersteigset sicherheitshalber im Einsatz. 

Auf rund 2.400 Metern wird das Gelände schließlich etwas leichter. Man verlässt den ausgesetzten Ostgrat und wandert über teils steile Grashänge zurück ins Tal. Die Knie werden noch einmal so richtig auf die Probe gestellt. Endgültig geschafft hat man die Überschreitung bei der Pottinger Hütte. Von hier aus muss man nur mehr gemütlich am Talboden zum Valeriehaus zurückspazieren. 

Fazit

Die Schareck Überschreitung ist eine Grattour der Superlative. Irgendwo zwischen Hochtour, hochalpiner Wanderung und leichtem Klettersteig angesiedelt, führt sie unbeschreiblich abwechslungsreich, technisch nicht zu unterschätzen und über weite Strecken wunderbar ausgesetzt über den zweithöchsten Gipfel der Goldberggruppe. Hat man etwas besseres Wetter als ich, bekommt man on top durchgehend ein traumhaftes Panorama geboten. 

Auf der Tour sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine wirklich gute Kondition absolute Grundvoraussetzung. Ich persönlich würde euch empfehlen, ein Klettersteigset mitzunehmen und (je nach Verhältnissen) Steigeisen und Grödel einzupacken. Nehmt euch außerdem genug Proviant mit. Zwischen Niedersachsenhaus und der Pottinger Hütte gibt es keine Einkehrmöglichkeit.

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Ich heiße Daniel, bin Mitte 30 und komme aus Österreich. Ich möchte euch mit Rauf und Davon dazu inspirieren, die Schönheit unserer Berge zu entdecken. Dir gefallen meine Geschichten? Dann folge mir doch ♥
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