Zugspitze (2.962 m): Traumtour durch das Höllental

Herrliche Bergtour durch einen Mikrokosmos der Alpen

Die Zugspitze ist mit 2.962 Metern der höchste Berg Deutschlands. Der Anstieg durch das Höllental führt von Hammersbach durch die spektakuläre Höllentalklamm, über den Höllentalferner und einen langen Klettersteig bis zum goldenen Gipfelkreuz. Eine landschaftlich großartige, aber anspruchsvolle alpine Bergtour, die deutlich mehr verlangt als reine Wandererfahrung.

Inhaltsverzeichnis

Toureninfos Zugspitze

Tourenbeschreibung Zugspitze über das Höllental

Die Zugspitze ist alleine schon deshalb ein besonderer Berg, weil sie der höchste Gipfel Deutschlands ist. Sie ruht sich aber nicht auf diesem Titel aus! Der Anstieg durch das Höllental wäre auch dann eine großartige Bergtour, wenn am Ende nur ein unbedeutender Nebengipfel warten würde.

Was mir besonders gut gefallen hat: Die Tour ist so etwas wie ein kleines Best-of der Alpen. In kompakter Form bekommt man hier beinahe alles geboten, was unsere Bergwelt zu bieten haben: eine wilde Klamm mit Wasserfällen und Tunneln, einen wunderschönen alpinen Steig, leichte Kraxelpassagen, einen Gletscher, luftige Klettersteige und zum Abschluss einen fast 3.000 Meter hohen Gipfel. Viel abwechslungsreicher kann eine Bergtour kaum sein.

Durch die Höllentalklamm zur Höllentalangerhütte

Ausgangspunkt der Tour ist Hammersbach bei Grainau (760 m). Vom kostenpflichtigen Wanderparkplatz folgt man dem Hammersbach auf einem breiten Weg durch den Wald. Nach etwa 250 Höhenmetern erreicht man die Höllentaleingangshütte (1.004 m) und damit den Start der gebührenpflichtigen Höllentalklamm.

Die Klamm ist bereits für sich genommen ein lohnendes Wanderziel. Über Stege, durch in den Fels geschlagene Tunnel und vorbei an tosenden Wasserfällen führt der Weg immer tiefer in die Schlucht. Von den Wänden tropft und spritzt beinahe ununterbrochen Wasser – eine Regenjacke schadet hier selbst bei schönstem Wetter nicht.

Dass dieser Abschnitt des Hüttenanstiegs zu den beliebtesten Wanderungen Deutschlands gehört, merkt man allerdings schnell. In der Klamm und auf dem weiteren Weg zur Höllentalangerhütte ist einiges los. Durch den Gegenverkehr kann es an schmalen Stellen immer wieder eng werden. Die Klamm kann übrigens am Stangensteig umgangen werden.

Nach dem Ende der Klamm (1.260 m) verändert sich die Landschaft schlagartig. Die enge Schlucht öffnet sich zu einem breiten Talboden, über dem bereits die mächtigen Felswände des Wettersteingebirges aufragen. Der Weg führt nun deutlich gemütlicher durch den Höllentalanger und zuletzt in einigen Kehren hinauf zur Höllentalangerhütte (1.387 m).

Übernachtung auf der Höllentalangerhütte

Natürlich kann man die Zugspitze durch das Höllental auch an einem einzigen Tag bewältigen. Dafür müssen allerdings rund 2.200 Höhenmeter überwunden werden – und die technisch anspruchsvollsten Passagen warten erst im oberen Teil der Tour. Außerdem hat die Variante mit Übernachtung einen weiteren großen Vorteil, der für mich ausschlaggebend war: Man muss nicht mitten in der Nacht durch die wunderschöne Höllentalklamm marschieren, sondern kann sie gemütlich bei Tag erleben (und sehen).

Start kurz vor Sonnenaufgang im Höllental
Start kurz vor Sonnenaufgang bei der Höllentalangerhütte; in der Bildmitte erkennt man bereits die Bergstation

Wir starteten am nächsten Morgen vor dem Frühstück um 5:30 Uhr. Der frühe Aufbruch zahlte sich gleich doppelt aus. Einerseits waren wir vor einem großen Teil der anderen Bergsteiger unterwegs, andererseits erlebten wir einen wunderschönen Sonnenaufgang im Höllental. Während wir durch den noch schattigen Talboden marschierten, begannen die umliegenden Felswände langsam rosa zu leuchten.

Erster Klettersteig mit dem berühmten Brett

Von der Höllentalangerhütte folgt man der Beschilderung Richtung Zugspitze. Zunächst verläuft der Weg noch relativ flach durch den Höllentalanger. Danach wird das Gelände zunehmend steiler, felsiger und alpiner.

Wow, einfach nur Wow
Wow, einfach nur Wow

Am ersten großen Felsaufschwung (ca. 1.620 m) beginnt der untere versicherte Abschnitt. Über Eisenklammern und die markante Leiter (1.660 m) geht es steil nach oben. Technisch ist dieser Teil noch nicht besonders schwierig, der Blick zurück ins Höllental aber jetzt schon ziemlich eindrucksvoll.

Kurz darauf wartet eine der bekanntesten Stellen der gesamten Tour: das Brett (ca. 1.820m). Auf einer Reihe von Stahlstiften quert man eine glatte Felswand, unter den Füßen pfeifft es ins Höllental.

Die Passage sieht auf Fotos spektakulärer aus, als sie sich letztlich klettert. Die Tritte sind gut gesetzt und mit Klettersteigset ist das Brett technisch einfach zu bewältigen. Spaß macht die Querung dafür umso mehr. Für mich war sie einer der vielen Höhepunkte dieser Tour.

Über den Grünen Buckel zum Höllentalferner

Nach dem Brett wird das Gelände wieder einfacher. Über einen alpinen Steig, felsige Passagen und teilweise loses Geröll geht es weiter in Richtung Grüner Buckel. Stellenweise kommen die Hände zum Einsatz, die meisten Passagen bewegen sich aber in unkompliziertem Kraxel- und Gehgelände.

Spätestens hier zeigt sich die ganze Dimension der Tour. Obwohl bereits viele Höhenmeter geschafft sind, liegt der Gipfel noch weit über einem. Vom Grünen Buckel fehlen ungefähr weitere 1.000 Höhenmeter bis zum Gipfel Zugspitze.

Am Grünen Buckel ist meist einfaches Gehgelände
Am Grünen Buckel ist meist einfaches Gehgelände

Nach dem Grünen Buckel wird die Landschaft zunehmend karger. Die letzten Latschen verschwinden, der Untergrund besteht immer häufiger aus Schutt und Geröll, über das man den Höllentalferner ansteuert.

Über den Höllentalferner

Wie schwierig die Überquerung des Höllentalferners ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Die Verhältnisse verändern sich von Jahr zu Jahr und selbst während der Saison können sie sich innerhalb weniger Tage deutlich verändern. Im Frühsommer liegt häufig noch Schnee auf dem Gletscher. Das kann das Gehen technisch erleichtern, macht die Tour aber nicht automatisch sicherer, da Spalten verdeckt sein können. Später im Sommer kommt zunehmend blankes und stellenweise steiles Eis zum Vorschein.

Bei unserer Tour Ende Juli 2026 war der Gletscher bereits teilweise ausgeapert. Einige Passagen waren relativ steil und ohne Steigeisen nicht sicher zu begehen. Das ist aber nur eine Beschreibung unserer Verhältnisse. Die richtige Ausrüstung sowie die Art der Sicherung müssen immer an die aktuellen Verhältnisse angepasst werden.

Generell sollte man den Höllentalferner nicht als harmloses Schneefeld betrachten. Sicheres Gehen mit Steigeisen, Erfahrung im vergletscherten Gelände und das Erkennen alpiner Gefahren gehören für diese Tour zum nötigen Rüstzeug.

Randkluft und Einstieg in den oberen Klettersteig

Durch den starken Gletscherrückgang verändert sich auch der Übergang vom Höllentalferner in den oberen Klettersteig laufend. Die Randkluft (ca. 2450 m) kann im Laufe des Sommers größer und der Einstieg entsprechend schwieriger werden. Wie der Übergang konkret aussieht, hängt stark von den jeweiligen Verhältnissen ab.

Bei unserer Begehung war die Randkluft noch kein Thema. Dafür wartete gleich am Anfang die aktuelle Schlüsselstelle: ein steiler, leicht überhängender Einstieg in den oberen Klettersteig. Die Stelle wird mit C bewertet und kann sich mit den vielen Höhenmetern in den Beinen durchaus schwieriger anfühlen. Genau hier entstehen regelmäßig längere Staus.

Schlüsselstelle Klettersteig Zugspitze
Nach einem kurzen Überhang bleibt das Gelände im ersten Abschnitt relativ steil

Viele Bergsteiger müssen zunächst die Steigeisen ausziehen und anschließend einzeln über die Randkluft beziehungsweise durch die erste steile Passage klettern. Überholen ist praktisch nicht möglich. Wer erst mit der großen Welle von der Hütte oder aus dem Tal eintrifft, kann hier viel Zeit verlieren. Einmal mehr zahlt sich ein früher Aufbruch aus.

Klettersteig mit gewaltigen Tiefblicken

Ist der schwierige Einstieg geschafft, beginnt für mich der genussvollste Teil der Tour. Der obere Höllental-Klettersteig zieht über rund 500 Höhenmeter durch die steile Felsflanke hinauf zur Irmerscharte (2.835 m) und weiter Richtung Gipfel.

Abgesehen von der Einstiegsstelle wird der Klettersteig technisch nicht mehr außergewöhnlich schwierig. Über Eisenstifte, Klammern, gestufte Felsen und immer drahtseilversichert gewinnt man schnell an Höhe.

Kletterer im zweiten Teil des Klettersteigs auf die Zugspitze
Schöner geht’s kaum: im zweiten Teil des Klettersteigs

Was diesen Klettersteig jedoch so besonders macht, ist weniger seine technische Schwierigkeit als seine Lage. Die Tiefblicke zurück auf den Höllentalferner und weit hinunter ins Höllental sind gewaltig. Gleichzeitig rückt der Gipfel immer näher, und irgendwann zeigt sich auch der Eibsee tief unter einem.

Vom scheinbar nahen Gipfel darf man sich dabei nicht täuschen lassen. Die Bergstation ist so gewaltig, dass sie viel näher wirkt, als sie tatsächlich ist. Mehrmals glaubt man, nur noch wenige Minuten vom Ziel entfernt zu sein – und trotzdem ziehen sich die letzten Höhenmeter überraschend lange. Gerade mit der bisherigen Tour in den Beinen ist das mental fast schon ein bisschen fies.

Unterm Strich war der gesamte obere Klettersteig für mich purer Genuss. Die Kletterei ist abwechslungsreich und die Landschaft wird mit jedem Meter spektakulärer.

Kulturschock am Zugspitzgipfel

Kurz unterhalb des Gipfels endet der Klettersteig. Wenige Höhenmeter später steht man vor dem goldenen Gipfelkreuz auf 2.962 Metern. Der Übergang vom alpinen Höllental in die Welt der Bergstation ist allerdings ein kleiner Kulturschock. Gerade noch klettert man mit Helm, Gurt und Steigeisen im Rucksack durch eine gewaltige Felswand. Kurz darauf stehen einem auf den Aussichtsplattformen gefühlt Hunderte Menschen gegenüber.

Bergstation auf der Zugspitze
Hinter dem Gipfel wartet ein kleiner Kulturschock

Zusätzlich führt von der Bergstation ein kurzer versicherter Abschnitt hinauf zum Gipfelkreuz. Dadurch treffen auf engstem Raum Bergsteiger in voller Ausrüstung auf Ausflugsgäste, die den Gipfel teilweise mit wenig geeigneten Schuhen erreichen möchten. An schönen Tagen entstehen hier Staus, Chaos und gelegentlich auch ein bisschen Reibung.

Viele Bahngäste wollen ebenfalls ein Foto mit dem Gipfelkreuz, das sorgt für Stau
Viele Bahngäste wollen ebenfalls ein Foto mit dem Gipfelkreuz, das sorgt für Stau

Das ist für mich der einzige echte Wermutstropfen dieser Tour. Gipfelruhe darf man auf der Zugspitze nicht erwarten. Dafür bietet die touristische Erschließung einen ziemlich großen Vorteil: Nach mehr als 2.200 Höhenmetern muss man nicht zu Fuß ins Tal absteigen.

Mit Seilbahn und Zugspitzbahn zurück nach Hammersbach

Von der Bergstation fuhren wir mit der Seilbahn direkt hinunter zum Eibsee. Dort stiegen wir in die Bayerische Zugspitzbahn (im Ticket der Talfahrt inkludiert) um, die uns zurück nach Hammersbach brachte. Von dort erreicht man den Parkplatz mit wenigen Minuten Fußmarsch.

Die Bahn bringt einen hinunter zum Eibsee
Die Bahn bringt einen hinunter zum Eibsee

Ein entspannterer Abschluss für eine derart lange und anspruchsvolle Bergtour ist kaum möglich. Wichtig ist nur, bereits bei der Tourenplanung die aktuellen Betriebszeiten und die letzte Talfahrt zu kontrollieren.

Foto-Topo der Tour durchs Höllental

Foto-Topo der Bergtour auf die Zugspitze durch das Höllental

Danke an dieser Stelle auch an meinen Begleiter Günter Durner, der so viele tolle Bilder von mir gemacht und mir diese Topo zur Verfügung gestellt hat.

Anforderungen an die Zugspitztour durchs Höllental

Da die Tour so beliebt ist, möchte ich hier am Ende noch einmal die Anforderungen auflisten. Die technischen Einzelstellen der Tour sind für erfahrene Bergsteiger gut machbar. Ihre Gesamtkomplexität darf trotzdem nicht unterschätzt werden. Es treffen mehrere Anforderungen aufeinander:

  • rund 2.200 Höhenmeter beim Aufstieg aus dem Tal
  • ein langer Tourentag in großer Höhe mit einer Gehzeit zwischen 7 und 9 Stunden (ohne Pause)
  • mehrere ausgesetzte und versicherte Passagen
  • ein Klettersteig bis C
  • eine Gletscherüberquerung mit Spaltengefahr
  • eine stark von den Verhältnissen abhängige Randkluft
  • mögliche Wartezeiten an den Schlüsselstellen
  • so gut wie keine einfache Rückzugsmöglichkeiten im oberen Teil

Man sollte trittsicher und schwindelfrei sein, ein Klettersteigset routiniert bedienen können und bereits Erfahrung mit Steigeisen und Gletschergelände gesammelt haben. Auch nach mehreren Stunden Aufstieg muss noch genügend Kraft und Konzentration für den oberen Klettersteig vorhanden sein.

Fazit zur Zugspitze über das Höllental

Die Zugspitze durch das Höllental ist eine gewaltige Bergtour. Sie fühlt sich wie ein komprimiertes Best-of des Alpen-Bergsteigens an: Klamm, Wasserfälle, alpine Steige, Gletscher, Kraxelpassagen, Klettersteige und ein fast 3.000 Meter hoher Gipfel. Selbst wenn die Zugspitze nicht der höchste Berg Deutschlands wäre, würde ich diesen Anstieg uneingeschränkt empfehlen.

Die Zugspitze von der Ferne
Die Zugspitze von der Ferne

Natürlich ist die Tour dementsprechend beliebt und entsprechend stark frequentiert. Mit richtigem Timing lässt sich das aber gut umgehen. Und die Menschenmassen rund um die Bergstation passen nicht unbedingt zum alpinen Erlebnis des Aufstiegs. Der Weg selbst ist aber so großartig, dass er diesen kleinen Wermutstropfen locker wettmacht.

Basecamp-Tipp: Hotel Stern

Rund um die Besteigung der Zugspitze durften wir unsere Tage am Mieminger Plateau im Hotel Stern verbringen. Das Hotel Stern ist ein wahrgewordener Traum aus Astrid Lindgrens Bullerbü und damit perfekt für Familien, die gerne unkompliziert Zeit draußen verbringen.

Das Herzstück des Hotels ist ein großer Garten mit riesigen, alten Bäumen und Holz-Spielplatz. Hier kann man sich zwischen zahlreichen Laufrädern und Bobbycars entscheiden, einen blumigen Bauerngarten erkunden oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Jeden Tag gibt’s Kinderprogramm, zum Beispiel am Waldspielplatz mit Lagerfeuer oder die tägliche Fütterung der Pferde, Hasen und Ziegen mit Opa Toni.

Im Hotel Stern wird einem niemals fad, im Gegenteil, wir hatten fast das Gefühl, gar noch nicht alles entdeckt zu haben bis zu unserer Abreise! Hier habe ich meine Mädels während der Besteigung der Zugspitze gut versorgt gewusst.

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