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Großvenediger mit Venediger Krone [360°]

Die Krönung der weltalten Majestät

Der Großvenediger mit seinen mächtigen Gletschern ist für viele Bergsteiger ein beliebtes Ziel. Möchte man diesen wunderschönen Hochtourenklassiker krönen, kann man ihn mit der Venediger Krone um vier 3.000er Gipfel erweitern.

Defreggerhaus – Basis für die Venediger Krone

Das Defreggerhaus ist die Basis für die Venediger Krone. Zu der auf 2.962 Meter gelegenen Hütte muss man aber erst einmal kommen. Der klassische Zustieg startet beim Wanderparkplatz in Hinterbichl. Man kann entweder von unten weg zu Fuß gehen oder die ersten fünf Kilometer bzw. 640 Höhenmeter zur Johannishütte mit dem Venedigertaxi abkürzen.

Um ehrlich zu sein: Wir haben das Venedigertaxi genommen, da wir an dem Tag erst aus Wien angereist sind und aus zeitlichen Gründen den Zustieg so kurz wie möglich gestalten mussten.

So wie so geht es ab der Johannishütte zum Defreggerhaus zu Fuß weiter. Und der Weg dorthin selbst ist schon äußerst beeindruckend. Gleich am Anfang hat man eine geniale Sicht auf das mächtige Venedigermassiv und damit auf das Vorhaben des nächsten Tages. Die aufkommende Vorfreude hat uns praktisch von alleine hochgetragen. Bereits zwei Stunden und 850 Höhenmeter später standen wir vorm Defreggerhaus, wo es nach einem außergewöhnlich netten Abend – das Team dort ist einfach unglaublich lieb – bald ins Bett ging. Schließlich läutete der Wecker am nächsten Tag um 3:30.

Alleine am Gipfel des Großvenedigers

DIE VENEDIGER KRONE ZUM NACHGEHEN

Ganz ehrlich: Wenn der Wecker nach einer unruhigen Nacht um diese Zeit klingelt, fragt man sich schon, warum man sich das antut … Aber was soll’s. Also Sachen gepackt, eine Kleinigkeit gefrühstückt und um 04:15 im Schein der Stirnlampen losmarschiert.

Der Weg auf den Großvenediger selbst ist technisch nicht besonders schwer. Zuerst geht es relativ steil (zumindest hat es sich um die Zeit so angefühlt 😀 ) zum Mullwitz Aderl-Einstieg und dann immer Richtung Nordwest über den Gletscher auf den Venediger zu.

Auf halbem Weg setzte dann die Dämmerung ein und wir wurden Zeugen von einem unglaublichen Sonnenaufgang. Die Dolomiten schienen förmlich zu brennen. Kein Wunder, dass bei so einem Panorama die Zeit auf den Gipfel wie im Flug verging. In diesen Momenten weiß man dann, warum man sich das immer wieder antut.

Und vor allem in denen, wo man am Gipfel ankommt und nicht nur die erste Seilschaft des Tages ist, sondern den Gipfel eine Dreiviertelstunde für sich alleine hat. Und wer den Venediger kennt, weiß, was hier normal los ist.

Weiter über die Venediger Krone

An diesem Tag war der Gipfel des Großvenedigers aber nur die halbe Miete. Schließlich standen uns mit dem Hohen Aderl, Rainerhorn, Hohen Zaun und der Schwarzen Wand noch vier weitere Gipfel bevor. Und wer jetzt glaubt, der Großvenediger ist der Höhepunkt dieser Runde, täuscht sich.

Die Tour als Ganzes ist einfach ein Wahnsinn. Man kann echt nicht sagen, was davon “DER” Höhepunkt ist. Ich tendiere zwar schnell zu Superlativen, aber die Venediger Krone hat tatsächlich einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Neben fünf tollen Aussichtsgipfeln bekommt man hier leichte Kletterein, steile Flanken und endlos scheinende Gletscher. Und als erste Seilschaft des Tages das Gefühl, so gut wie alleine unterwegs zu sein. Aber schaut euch am besten die 360° Tour an – Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Beim Abstieg wurden wir dann wieder einmal kurz daran erinnert, wie schnell es in den Bergen gehen kann. Als Seilerster bin ich bis zur Hüfte in eine Gletscherspalte eingebrochen – das Gefühl, im Schnee zu stecken und ein frei baumelndes Bein zu haben, ist schon ein bisschen creepy. Aber zum Glück ist nichts passiert – genau darum geht man ja am Seil. Umso verrückter wirkt es jedoch, wenn man am Großvenediger Leute sieht, die alleine und ohne Seil am Gletscher unterwegs sind … Also bitte: Wenn ihr die Tour macht, bildet eine Seilschaft. Der Venediger ist ziemlich spaltenreich und die Warnschilder stehen hier nicht zum Spaß.

Nach insgesamt acht Stunden sind wir dann wieder sicher beim Defreggerhaus angekommen. Man könnte die Runde mit Sicherheit schneller schaffen, wir haben uns aber viel Zeit auf den Gipfeln genommen – vor allem weil wir auf jedem alleine waren, das muss man einfach genießen.

Mein Fazit zur Venediger Krone

Die Venediger Krone ist eine wahrhaft beeindruckende Hochtour. Technisch ist sie nicht allzu schwer, man sollte aber definitiv Hochtourenerfahrung haben. Außerdem sollte man eine gute Grundkondition mitbringen. Die Runde selbst – ab und bis zum Defreggerhaus – hat zwar “nur” acht Kilometer und 1.000 Höhenmeter, man bewegt sich aber durchgehend über 3.000 Meter, meistens sogar um die 3.500 Meter, was alles dementsprechend anstrengender macht. Immerhin stehen dem Körper auf 3.500 Meter Seehöhe nur mehr rund 65 % des Sauerstoffs zur Verfügung.

Die “normalen” Fotos stammen übrigens von meinen Mitstreitern Flo Albrecht, Hannes Wurzwallner und Patrick Haag – danke nochmal dafür!

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