Bergliebe in Blogform aus Österreich

Auf der Ringstraße rund um Island

Roadtrip durch das dunkelbunte Land

Der Roadtrip auf der Ringstraße rund um Island im September hat mein Leben verändert. Das klingt kitschig, vielleicht poetisch, ist aber genau so, wie es sich anfühlt. Und es hat ein 24/7-Fernweh in mir entstehen lassen, das ich noch nie zuvor gefühlt habe!

Bevor es richtig losgeht, eine kleine Anmerkung: Dieser Text stammt ausnahmsweise nicht von mir, sondern von meiner Verlobten Anna – die übrigens auch eine wahnsinnig gute Fotografin ist und auch einige Bilder zu dem Beitrag beigesteuert hat.

Island – Die Route unserer Rundreise

In Island ist alles ruhiger, stiller und intensiver. Die Luft ist klar und man hört den Wind, das Rauschen von Meer und Wasserfällen oder das Gluckern von warmen Quellen doppelt so laut. Für unseren ersten Island-Trip haben wir uns für die klassische Route der Ringstraße entschlossen, die einmal um die Insel führt. Dabei deckt man das Wichtigste des Landes ab: Wasserfälle, Vulkane, Basalt-Klippen und kochende Wasserquellen.

Tag 0: Ankunft

Ringstraße in Island

Die meisten Flüge kommen mitten in der Nacht an. Wir mieten uns gleich am Flughafen ein Auto an, mit dem es zum Ocean View Guesthouse für die erste Nacht geht. Gerade mal eine Stunde auf der Insel wissen wir schon, wie die Uhren hier ticken: Die Türen sind offen, man nimmt sich seinen Schlüssel und die Hausleute gehen davon aus, dass man so selbstbestimmt ist, dass man sein Zimmer schon findet und am nächsten Morgen auch wirklich zahlen wird.

Tag 1: Golden Circle

Der erste Tag bringt uns gleich zum Touri-Hotspot, dem Golden Circle, der sich nur eine kurze Fahrtzeit vom Flughafen bzw. Reykjavik entfernt befindet. Hier gibt’s den Geysir, die Wasserfontäne, nach der alle anderen auf der Welt benannt sind. Es ist unglaublich, wie grün Wiesen und Moosflächen sein können. Wir bemerken auch zum ersten Mal, wie  teuer dieses Land wirklich ist – eine kleine aber gute Suppe im Lokal beim Golden Circle kostet etwa 9 €. Wer Haube oder Schal vergessen hat, kann sich heimische Strickwaren kaufen – unter 40 € gibt’s aber nichts. Nach einer Wanderung auf Reykjaviks Hausberg geht’s in die Hauptstadt, wo wir Tiefkühlpizza in der Hotelküche zubereiten und danach noch eine kleine Runde drehen. Leider hat das Wetter nicht wirklich mitgespielt, darum haben wir an dem Tag kaum Fotos gemacht.

Tag 2: Snaefellsnes

Heute geht’s auf die Halbinsel Snaefellsnes. Am Ytri Tunga Beach werden wir beim Herumspazieren von Robben beobachtet. Ein Fotostop bringt uns zur schwarzen Kirche Búðir, eine der ältesten Holzkirchen des Landes. Sie steht so seelenruhig in der Landschaft, rundherum ein Meer von Nichts, dass sie eines meiner Foto-Highlights des ganzen Urlaubs ist. Weiter geht’s zur Rauðfeldsgjá-Schlucht mit ihrem engen Wasserfall. Wer wasserfeste Kleidung mit hat, kann den Wasserfall sogar hinaufklettern. Das nächste Highlight findet sich kurz nach der Schlucht, nämlich der schwarze Strand Djúpalónssandur. Der Kieselsand ist hier und da mit rostigen Wrackstücken übersäht. 1948 ist hier ein Schiff gestrandet. Wir bemerken, dass es die Wellen hier wirklich in sich haben – und landen von oben bis unten durchnässt in unserer Unterkunft in Grundarfjördur.

Tag 3: Kirkjufell & Akureyri

Drei, vier Autominuten entfernt ist Islands vielleicht berühmtestes Fotomotiv, der Kirkjufell. Ein wunderschöner Berg, der sich unter anderem auch schon in Game Of Thrones gezeigt hat – und gegenüber ein Wasserfall, der sich mit der richtigen Perspektive auch aufs Foto traut. Nach einer Wanderung geht’s für uns nach Akureyri. Die Strecke haben wir unterschätzt, ist es doch relativ weit. Dafür werden wir mit einem Besuch beim Drachenfelsen Hvitseikur und einem leicht dunkelgrünen Himmel belohnt.

Tag 4: Whalewatching, Grotjaga Grotte & Hverir

Heute geht’s für uns zum Whale Watching! Akureyri ist die Whalewatching-Hochburg von Island und so stehen wir bei einer kühlen Brise und Sonnenschein auf einem Schiff und vor uns zeigen uns diese unglaublichen Tiere ihre riesigen Körper und wunderschönen Schwanzflossen. In Akureyri esse ich auch zum ersten Mal eine ganze Portion Fish and Chips – als Fischhasserin! Hier ist einfach alles anders … Es folgen ein Spaziergang in Dimmuborgir, der Besuch der Grotjaga Grotte (ebenfalls bekannt aus Game of Thrones) und eines meiner Highlights, das Hverir Geothermalgebiet und Namafjall. Hier sieht alles aus, als wäre es für den nächsten Star Wars Film vorbereitet. Es brodelt und raucht, die Gegend ist in sandiges Rot getaucht und man kann sogar einen Vulkan besteigen. Der Tag ist lang und produktiv – und am Ende fotografieren wir den Godafoss Wasserfall bei Abendlicht. Nur wenige Fußminuten entfernt ist unsere Unterkunft, das Fossholl Guesthouse.

Tag 5: Godafoss, Hverfell Krater & Dettifoss

Wir schauen noch einmal beim Godafoss vorbei und wandern danach auf den Hverfell Krater. Auch hier fühlt man sich wie auf einem Filmset – der Krater ist so riesig, dass es sich anfühlt, als wäre man alleine. Wir besuchen den Viti Krater, der uns nicht überzeugt hat, und verbringen eine lange Zeit am Dettifoss Wasserfall. An der Westseite, wo sich die meisten Touristen tummeln, entschließen wir, auf die andere Seite zu fahren – wo wir etwa eine ganze Stunde (!) später erst ankommen. Der Umweg zahlt sich aber aus, da sich erst hier die wahre Macht dieses Wasserfalls eröffnet.

Hier wurde übrigens die Eröffnungssequenz von Prometheus gedreht. Und weil wir schon so im Island-Filmfieber sind, machen wir einen weiteren Umweg: Wir wählen Seydisfjördur für unsere nächste Unterkunft, weil hier große Teile von Walter Mitty gedreht wurden. In der Old Apothecary bedienen wir uns wieder selbst – Schlüssel, Kaffee und Tee – und finden, dass das eines der schönsten Zimmer unserer Reise ist.

Tag 6: Seydisfjördur, Vestrahorn & Jökulsarlon

Wir spazieren durch Seydisfjördur, wo kaum Touristen sind, dafür aber mit der hellblauen Kirche und dem Regenbogen-Weg wunderschöne Fotomotive. Auf der kurvenreichen Straße wieder ins Landesinnere machen wir auch noch Fotostops, um eine Szene aus Walter Mitty fotografisch festzuhalten. Wie wunderschön es hier ist!

Wir folgen jetzt dem Tipp eines Fotografen, den wir hier kennengelernt haben, und machen uns zum Vestrahorn bei Höfn auf. Es liegt zwischen dunkelgrauen Wolken verhangen, aber wir sind die einzigen Menschen auf diesem unglaublich weiten Strand. Der Ausflug macht sich bezahlt: Wir stapfen im vom Meerwasser getränkten schwarzen Sandboden herum, entdecken Spuren von Polarfüchsen und machen wunderschöne Fotos. Danach geht es weiter zur Gletscherlagune, wo man sich nicht entscheiden kann, ob man alles auf Fotos festhalten oder einfach nur den Eisbrocken beim Umfallen und den Seerobben beim Spielen zuschauen soll. Sobald es dunkel wird, fällt uns wieder ein, dass wir fast kein Benzin mehr haben und auf der Fahrt schon lange keine Tankstelle mehr war. Wir fragen uns durch, aber es dürfte doch noch eine weite Strecke (in die falsche Richtung!) sein, bis wir wieder zu Benzin kommen. Und so tuckern wir mit Herzklopfen bis zum Hals im stockfinsteren Island einer möglichen Tankstelle entgegen, mit einer schon lange blinkenden Tankanzeige. Tatsächlich – und wahrscheinlich wenige Meter, bevor das Auto Halt gemacht hätte – finden wir eine Tankstelle und machen uns dann wieder auf den Weg – gute 30 Minuten – zurück zur Unterkunft. Wer in der Nähe der Gletscherlagune Jökulsarlon übernachten will, dem sei das Skyrhúsid Guesthouse in Hali empfohlen.

Tag 7: Speedboat-Tour & Diamond Beach

Heute schüttet es wie aus Kübeln … und wir haben eine Speedboat-Tour auf der Gletscherlagune gebucht! Also rein in die (etwas in die Jahre gekommenen), angeblich wasserfesten Anzüge und raus auf den Gletschersee. Die Tour ist spannend, immerhin kommt man ganz nah an den Eisbrocken vorbei und fährt bis ans Ende des Sees, wo der Gletscher beginnt. Trotzdem ist unser Highlight des Tages der Besuch des Diamond Beachs. Wo der Gletschersee in das Meer mündet, sammeln sich die Eisbrocken an, die sich glasklar am schwarzen Sand als perfektes Fotomotiv eignen. Später muss ich meine Kamera in einen Sack voller Reis packen, weil sie doch ein wenig vom Regenwetter mitgenommen wurde. Zum Glück haben wir noch Daniels Kamera und können so ein paar Fotos vom Sonnenuntergang in Vík machen, wo wir schlafen.

Tag 8: Reynisfjara Strand, Skógafoss & Seljalandsfoss

Wir besuchen Reynisfjara, den schwarzen Strand in Vík, der mittlerweile durch die unterschiedlichsten Musikvideos bekannt geworden ist. So schön der Strand ist, so gefährlich ist er aber auch. Hier haben die sogenannten Sneaker Waves schon den ein oder anderen Menschen in den Ozean gezogen. Weiter geht’s nach Dyrhólaey, eine emporragende Halbinsel bei Vík, mit einem Leuchtturm, die vor allem bei Sonnenuntergang einen Besuch wert ist. Wir besuchen danach Skógafoss, unseren Regenbogen-Wasserfall, und Seljalandsfoss, den Wasserfall, hinter den man gehen kann. Obwohl wir wieder in einer „touristischeren“ Gegend sind als die Tage zuvor, können wir auf der Ringstraße, die ja die größte und vielbefahrenste Straße des Landes ist, stehen bleiben und mitten auf der Fahrbahn Fotos machen.

Tag 9: Reykjadalur & Nordlichter

Unser letzter Roadtriptag bringt uns nach Reykjadalur, wo wir eine wunderschöne Wanderung durch das moosige Grün Islands machen. Am Ende werden wir mit einem Bad in einem warmen Fluss belohnt. Danach sparen wir unsere Kräfte, weil die Vorzeichen auf Nordlichter in der Nacht gut stehen. Als es dunkel wird, machen wir uns mit Tee und mobilen Akkus auf, fahren herum, treffen andere Nordlichter-Jäger. Und dann zeigt sich Island nochmal von seiner besten Seite und präsentiert uns in unserer letzten Nacht grün glühende, tanzende Nordlichter. Als wir ganz alleine sind, drehe ich ganz laut Sigur Rós’ Hoppípolla auf – und bin der glücklichste Mensch der Welt.

Tag 10: Blue Lagoon & Heimreise

Müde von der langen Nacht fahren wir zur Blue Lagoon, wo wir im warmen, milchigen Wasser planschen. Ein zweites Mal werden wir die nicht besuchen, es sind einfach viel zu viele Menschen hier. Und dann geht’s für uns auch schon wieder nach Hause …

2019 haben wir Island im Februar besucht. Auch dazu gibt es einen ausführlichen Beitrag.

Der Bericht stammt von unserer Reise im Jahr 2017.

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Ich heiße Daniel, bin Mitte 30 und komme aus Oberösterreich. Ich möchte auf Rauf und Davon meine Liebe zu den Gipfeln dieser Welt teilen und euch damit für euer nächstes Bergabenteuer inspirieren. Dir gefallen meine Berggeschichten? Dann folge mir doch und verpasse keine Inspiration mehr:

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