TourenberichteHochtourenSpaghetti-Runde: Durchquerung des Monte-Rosa-Massivs

Spaghetti-Runde: Durchquerung des Monte-Rosa-Massivs

Hochtour der Superlative mit zehn 4.000ern im Wallis

Fünf Tage, zehn Viertausender und über 4.000 Höhenmeter im Auf- sowie 5.000 im Abstieg. Schon in Zahlen weiß die Spaghetti-Runde zu faszinieren. Noch imposanter sind die Eindrücke, die man bei der 45 Kilometer langen Durchquerung der Walliser Alpen sammelt. Umso mehr, wenn man Glück hat und das Wetter mitspielt. 

Toureninfos

  • Ausgangspunkt: Zermatt
  • Tourdaten: 4.350 hm | 45 km | 5 Tage
  • Höchster Punkt: 4.563 Meter
  • Schwierigkeit: Mittelschwere Hochtourenrunde
  • Gemacht: August 2021

Tourenbericht Spaghetti Runde

Was für ein Glück! “So ein Wetter und diese Verhältnisse im August sind wie ein Lotto Sechser. Das ist die erste stabile Woche des Jahres“, erzählen uns unsere Bergführer Stefan und Rupert bei einem Achterl Rotwein. Tendenziell wird empfohlen, die Spaghetti-Runde im Juli zu machen. Dank des ungewöhnlich langen Winters waren die Verhältnisse bei uns im August jedoch immer noch top. “Oft hat man im Laufe des Augusts schon mit mehr Blankeis zu kämpfen“, erklären sie uns. Und das Wetter? Ja, das Wetter war einfach perfekt. Wir hatten die komplette Woche Sonnenschein – besser geht’s echt nicht!

Die klassische, mittelschwere Spaghetti-Runde

Die Spaghetti-Runde ist eine Hochtouren-Durchquerung der Walliser Alpen, die im Grenzgebiet zwischen Italien und der Schweiz verläuft. Sie startet bei der Bergstation Klein Matterhorn und führt in fünf Tagen zur Station Rotenboden der Gornergrat Bahn. Am Weg sammelt man einen 4.000er nach dem anderen. Die Tour wird in unterschiedlich schwierigen Varianten gemacht bzw. angeboten. Ich habe mich für die “klassische” Spaghetti-Runde vom DAV Summit Club entschieden. Dabei halten sich – abgesehen von einigen Schlüsselstellen – die technischen Schwierigkeiten noch in Grenzen. Vor allem, wenn man mit Bergführer unterwegs ist, der das Sichern übernimmt.

Den Namen verdankt die Runde übrigens den italienischen Hütten, auf denen man schläft – auch wenn wir kein einziges Mal Spaghetti (dafür großartige andere Pasta) bekommen haben. 

Ein paar 360° Eindrücke der Spaghettirunde

360° AUFNAHMEN VON EINIGEN GIPFELN UND HÜTTEN

Voraussetzungen für die Tour

Was man für die Spaghetti-Runde unbedingt mitbringen muss, ist Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und wirklich sicheres Gehen mit Steigeisen. Immer wieder ist man auf ausgesetzten Graten unterwegs (z. B. Breithorn Überschreitung bis zum Ostgipfel, Castor oder Parrotspitze) oder muss bis zu 50 ° steile Aufschwünge überwinden (z. B. Il Naso, Castor oder Schwarzhorn). 

Mindestens genauso wichtig ist eine wirklich gute Kondition. An den längeren Tagen muss man mit bis zu 8 Stunden reiner Gehzeit (ohne Pausen!) und Anstiegen von bis zu 1.200 Höhenmetern rechnen. Das klingt im ersten Moment nicht so wild, ist aber auf dieser Höhe eine Menge. Über 4.000 Meter stehen dem Körper beim Atmen – im Vergleich zur Meereshöhe – nur mehr rund 60 % des Sauerstoffs zur Verfügung. Dementsprechend anstrengender fühlt sich alles an.

Spaghetti-Runde: Hardfacts

TagGipfelAufstiegAbstiegDistanz
1Breithorn600 hm1.000 hm7 km
2Castor850 hm640 hm5 km
3Il Naso, Ludwigshöhe, Schwarzhorn,
Balmenhorn, Vincent Pyramide
1.200 hm1.200 hm11 km
4Parrotspitze, Zumsteinspitze, Signalkuppe1.200 hm250 hm6 km
5Abstieg500 hm2.050 hm16 km
Gesamt4.350 hm5.140 hm45 km

Ich möchte euch an dieser Stelle nicht mit dem genauen Tourenverlauf langweilen, dazu findet man ohnehin in den Programmen der unterschiedlichen Anbieter ausreichend Infos. Ich stelle euch lieber kurz die selbst getrackten Hardfacts unserer Tagesetappen vor und berichte euch dann von meinen ganz persönlichen Highlights. Ich glaube die Fotos erzählen den Rest und geben einen besseren Eindruck als ich es es (be)schreiben könnte.

Meine Highlights der Walliser Hochtouren-Durchquerung

Grundsätzlich war die komplette Spaghetti-Runde als ganzes ein absolutes Highlight. Ich war davor nur in den Ostalpen bergsteigen. Und dann in der Schweiz in diesen mächtigen Gletscherlandschaften unterwegs sein zu dürfen, hat mich einfach umgehauen. Trotzdem habe ich versucht, meine Top 5 für euch zu küren.

1. Überschreitung Castor

Der Gipfelgrat des Castors

Der Castor ist einfach ein genialer Berg! Der wunderschön geschwungene Firngrat und das Panorama auf seinem Gipfel – mit phänomenalem Blick auf den Lyskamm – haben definitiv den bleibendsten Eindruck hinterlassen.

2. Übernachtung auf der Capanna Regina Margherita

Sonnenuntergang am Gipfel der Signalkuppe

Natürlich darf die Übernachtung auf der höchsten Schutzhütte Europas auf 4.554 Metern nicht fehlen. Den Tiefblick von der Terrasse in die 2.000 Meter hohe Monte-Rosa-Ostwand und den atemberaubenden Sonnenauf- und -untergang werde ich so schnell nicht mehr vergessen. 

3. Überschreitung Parrotspitze 

Bergsteiger am Gipfelgrat der Parrotspitze

Gleich nach dem Castor hat mir gipfeltechnisch die Überschreitung der Parrotspitze besonders gut gefallen. Der wunderschöne lange Grat lässt einfach jedes Bergsteigerherz höherschlagen. 

4. Abstieg am Grenzgletscher

Bergsteiger am Grenzgletscher in der Schweiz

Anfangs dachte ich, dass der “Hatscher” über den Grenzgletscher ins Tal eher mühsam und langweilig wird. Vielleicht war ich gerade deswegen so positiv davon überrascht. Der ständige Blick aufs Matterhorn und die wilden Gletscherbrüche machten den letzten Tag auf ihre eigene Art zu etwas ganz Besonderem.

5. Der Kaffee auf den Hütten

Ja, richtig gelesen, der Kaffee! Es ist schon etwas verrückt, wenn man auf Berghütten in dieser Höhe Kaffee aus einer Siebträgermaschine bekommt. Das ist in der Tat purer Genuss.

Was ich euch für die Spaghetti-Runde mitgeben möchte

Akklimatisieren: Es hilft wirklich, akklimatisiert zu starten. Leider hatte ich die Wochen davor keine Zeit, einen höheren Berg zu besteigen, was die ersten zwei Tage für mich wirklich hart machten. Gleich am ersten Tag geht es mit der Bahn direkt auf 3.883 Meter und weiter auf das Breithorn mit 4.154 Metern. Die anderen in der Gruppe, die zuvor die eine oder andere Tour gemacht hatten, taten sich die ersten zwei Tage deutlich leichter als ich. 

Sparen: Die Spaghetti Runde ist kein billiges unterfangen. Zu den Kosten für den Tourenanbieter kommen noch die Hüttenübernachtungen (ca. 70 Euro pro Nacht), die Bergbahnen (ca. 130 Euro), die Anreise in die Schweiz sowie die Getränke und Snacks, die man auf den Hütten konsumiert. Außerdem möchte man dem Bergführer noch Trinkgeld geben. Alles in allem hat mir die Tour etwas mehr als 2.000 Euro gekostet.

Fit sein: Wie bereits erwähnt, sollte man wirklich fit sein. Ein relativ schwerer Rucksack bzw. Ausrüstung am Körper (Steigeisen sowie Gurt mit Equipment) sorgen für zusätzliche Anstrengung. 1.200 Höhenmeter in dieser Höhe mit Hochtourenausrüstung und Reservegewand darf man keinesfalls mit einer 1.200 Höhenmeter-Tageswanderung auf einen 2.000er-Gipfel gleichsetzen. 

Fazit

Die Spaghetti-Runde ist ein einmaliges Erlebnis und ein super Einstieg in die Welt der 4.000er. Ich würde sie jederzeit wieder machen und kann sie uneingeschränkt all jenen empfehlen, die die oben genannten Voraussetzungen erfüllen. Das Wallis ist einfach eine geniale Gegend und die Tour mit Sicherheit eine der schönsten, die man in der Schweiz in diesem Schwierigkeitsgrad unternehmen kann.

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