Der Schneeberg überrascht mich jedes Mal aufs Neue. So viele schöne Routen führen von allen Seiten auf seinen Gipfel. Diesmal habe ich mich für den nicht so bekannten Novembergrat entschieden. Hinunter ging es durchaus anspruchsvoll über den Oberen Herminensteig.
Toureninfos
- Lage: Österreich / Niederösterreich / Rax-Schneeberg-Gruppe
- Ausgangspunkt: Parkplatz Schneebergdörfl
- Höhenmeter & Distanz: 1.500 hm | 23 km (mit meiner Suunto getrackt)
- Höchster Punkt: 2.076 Meter
- Schwierigkeit gemäß SAC-Wanderskala: Alpinwanderung (T4)
- Gemacht am: 21. September 2020
- Link zum Selberplanen: alpenvereinaktiv
Tourenbeschreibung der Wanderung über den Novembergrat
Beim Schneeberg denken die meisten zuerst an den Fadensteig, den Nandlgrat oder die gemütlicheren Wege auf der Westseite. Die sind zwar alle wunderschön, aber oft auch entsprechend gut besucht. Der Novembergrat ist dagegen etwas stiller, wilder und deutlich alpiner. Er führt durch eine beeindruckende Felslandschaft zwischen Krummer Ries und Schneidergraben.

Die Runde ist allerdings keine gemütliche Wanderung. Den Novembergrat und den Oberen Herminensteig, den ich für den Abstieg gewählt habe, nur als Wanderung zu bezeichnen, wäre fast zu wenig. Schließlich gibt es immer wieder kurze, teils unversicherte Kletterstellen bis UIAA I+ zu bewältigen.
Novembergrat: Wo Wandern aufhört und Klettern beginnt
Eine echte Klettertour ist der Novembergrat nicht. Eine normale Wanderung aber eben auch nicht. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen: viel Gehgelände, immer wieder felsige Passagen, leichte Kraxelei und ein Gelände, in dem man sich wohlfühlen muss. Besonders schön ist dabei der Charakter der Route. Der Grat ist nicht extrem ausgesetzt, fühlt sich aber deutlich alpiner an als viele klassische Schneeberg-Anstiege.
Vom Schneebergdörfl geht es zunächst gemütlich los, bevor der Weg langsam steiler wird und man über den Nördlichen Grafensteig zum Einstieg des Novembergrats gelangt. Ab hier verändert sich die Tour spürbar. Die Landschaft wird felsiger, die Tiefblicke werden eindrucksvoller und der Schneeberg zeigt eine deutlich rauere Seite. Immer wieder öffnen sich Blicke in die Krumme Ries, den Schneidergraben und hinaus Richtung Wiener Becken.
Genau dieser Wechsel macht die Tour so reizvoll: unten noch Wald und steilere Zustiege, weiter oben Felsen, Latschen, Gratpassagen und schließlich die weite Hochfläche des Schneebergs.
Möchte man wie ich nach dem Novembergrat noch den Gipfel des Klosterwappens mitnehmen und nicht direkt wieder absteigen, wird daraus eine ausgewachsene Bergtour. Mit rund 23 Kilometern und 1.500 Höhenmetern braucht es eine gute Grundkondition. Vor allem, weil nach dem Aufstieg noch ein anspruchsvoller Abstieg wartet.
Anspruchsvoller Abstieg über den Oberen Herminensteig
Der Obere Herminensteig ist landschaftlich wunderschön, aber im Abstieg nicht zu unterschätzen. Er führt über einen reizvollen Grat mit leichten Kletterstellen (I) zurück Richtung Damböckhaus. Der Weg ist durchgehend rot markiert, verlangt aber trotzdem Trittsicherheit und Aufmerksamkeit.

Gerade nach vielen Höhenmetern können auch leichte Kletterstellen im Abstieg deutlich schwieriger wirken als im Aufstieg. Deshalb sollte man die Tour nicht nur nach der reinen technischen Schwierigkeit beurteilen, sondern auch nach Länge, Müdigkeit und Orientierung.
Bitte achtet besonders darauf, nicht vom Weg abzukommen. In diesem Gelände landet man schnell in steilem, unangenehmem Schrofengelände. Mir wäre es selbst beinahe passiert. Also lieber regelmäßig die Markierungen kontrollieren und nicht blind jeder Trittspur folgen.
Fazit zum Novembergrat
Wer die Tour mit dem nötigen Respekt angeht, bekommt dafür eine der schönsten und abwechslungsreichsten Schneeberg-Runden. Für mich kann der Novembergrat locker mit bekannten Klassikern wie dem G’hackten auf den Hochschwab oder Rauhen Kamm auf den Ötscher mithalten. Er ist lang, alpin, stellenweise luftig und landschaftlich großartig – genau die Art von Bergtour, die lange im Kopf bleibt. Kurz: Für mich zählt der Novembergrat zu den schönsten Wanderungen in Niederösterreich.
