Touren Hochtouren Großglockner über Normalweg

Großglockner über Normalweg [360°]

In Eigenregie auf das Dach von Österreich

Als ich im September 2017 das erste Mal mit Bergführer am Gipfel des Großglockners stand, wusste ich, dass ich diesen Berg irgendwann einmal in Eigenregie besteigen muss. Knapp drei Jahre später war es dann gemeinsam mit vier Freunden soweit.

  • Ausgangspunkt: Lucknerhaus
  • Tourdaten: 1.850 hm | 19,1 km
  • Höchster Punkt: 3.798 Meter
  • Schwierigkeit: Mittelschwere Hochtour
  • Datum der Tour: 12.06.2020
  • Link zum Selberplanen: bergsteigen.com

Manchmal passt einfach alles: Man hält sich das Fronleichnamwochenende frei, um wieder mal in die Berge zu gehen. Dann liest man, dass am 11. Juni die Erzherzog-Johann-Hütte aufsperrt, die kurzfristig sogar noch Plätze frei hat. Das Wetter könnte nicht besser sein und vier Freunde haben auch noch Zeit und Lust. Da kann man gar nicht anders, als seine Sachen zu packen und das Abenteuer Großglockner in Angriff zu nehmen!

Das Abenteuer Großglockner beginnt

Als wir beim Lucknerhaus ankamen, war es bedeckt und der Glockner versteckte sich in den Wolken. Zum Glück, denn der Weg zur Adlersruhe, auf der die Erzherzog-Johann-Hütte liegt, ist zwar nicht schwer, dafür relativ lang und anstrengend. Immerhin gilt es rund 1.500 Höhenmeter mit schwerem Hochtourenrucksack zu überwinden. Eine runterbrennende Sonne macht da den Zustieg nicht wirklich angenehmer.

Dank Wolken und Wind schafften wir es aber in rund 5:30 gemütlichen Stunden inklusiver einiger Pausen auf die Erzherzog-Johann-Hütte. Bei einem feinen Gulasch und Bier haben wir noch den Plan für den nächsten Tag besprochen und sind dann relativ bald ins Bett.

Über den Normalweg auf den Großglockner

360° TOUR VOM GROSSGLOCKNER ZUM DURCHKLICKEN
Aufgrund des Wetters habe ich Teile des Aufstiegs (sowohl zur Hütte als auch zum Gipfel) beim Abstieg fotografiert. Darum stehen wir ab und zu am Foto in die “falsche Richtung”.

Als der Wecker läutete, waren wir alle überraschend fit und sind nach einem kleinen Frühstück gegen 05:00 losmarschiert. Das Schöne an Hochtouren Mitte Juni sind die langen Tage. Trotz frühem Start haben wir keine Stirnlampe gebraucht und wurden die ersten Meter bis zum Glocknerleitl vom Sonnenaufgang begleitet.

Bis hierhin ist die Hochtour auf den Großglockner eigentlich recht einfach. Es gibt nur einen Gletscher mit einer kleinen Steilstufe zu überwinden. Und das letzte Stück zur Erzherzog-Johann-Hütte kann – je nach Schneeverhältnissen – ein bisschen tricky sein. Bei uns war das Fixseil stellenweise noch eingeschneit, was beim Auf- und Abstieg volle Konzentration erforderte.

Ab dem steilen Glocknerleitl wird die Tour aber anspruchsvoller. Pauschal lässt sich über die Schwierigkeit jedoch wenig sagen. Denn je nach Saison kann man im Leitl wie auch weiter am Grat die unterschiedlichsten Verhältnisse vorfinden. Vor allem am Grat kann man von reiner Felskletterei bis hin zu dicken Schneewechten alles antreffen.

Bei Traumwetter am Gipfel des Großglockners

Dank des kühlen Mais war bei uns noch alles eingeschneit. Ob das den Anstieg leichter oder schwieriger macht, liegt wohl im Auge des Betrachters – je nachdem was einem persönlich besser liegt. Wir haben uns auf jeden Fall entschieden, das Glocknerleitl seilfrei zu gehen und am Grat eine Dreier- und eine Zweierseilschaft zu bilden.

Weil wir nicht wussten, welche Verhältnisse uns erwarten werden, haben wir uns darauf geeinigt, den Weg zum Gipfel durchgehend mit Fixpunkten zu sichern. Das ist zwar deutlich zeitaufwendiger (vor allem bei einer Dreierseilschaft, die nicht überschlagend gehen kann) und bei viel (Gegen-)Verkehr mühsam. Dafür ist man so sicher wie möglich unterwegs. Da das Wetter perfekt war und wir keinen Stress hatten, nahmen wir den Mehraufwand in Kauf und standen so “erst” gegen 09:00 (mit unzähligen Wartepausen bei den Schlüsselstellen) bei Traumwetter und atemberaubender Fernsicht auf dem Gipfel des Großglockners.

Da die Verhältnisse gut waren und wir uns sicher fühlten, haben wir uns beim Rückweg für das Gehen am gleitenden Seil entschieden und konnten damit die Zeit für den Rückweg zur Adlersruhe auf zwei Stunden (ebenfalls mit vielen Wartepausen) halbieren. Dort haben wir uns noch mit einer Suppe gestärkt, bevor wir bei strahlendem Sonnenschein zurück zum Auto abgestiegen sind. Mir haben beinahe alle leidgetan, die uns entgegengekommen sind und sich bei der “Hitze” den Gletscher hochgekämpft haben.

Fazit: In Eigenregie auf den Großglockner

Was ich gelernt habe: Am Seil eines Bergführers ist der Großglockner definitiv um ein Vielfaches einfacher. Man kann den Kopf ausschalten und vor allem den Gratanstieg zum Gipfel voll und ganz genießen. Ist man eigenverantwortlich unterwegs, wird die Tour besonders mental anspruchsvoller. In den letzten Jahren konnte ich aber genug Erfahrung sammeln und so habe ich mich nie unsicher oder überfordert gefühlt.

Was ich – im Nachhinein – anders machen würde: Bereits am Hinweg zum Gipfel am gleitenden Seil gehen. Eine Dreierseilschaft mit Sicherung an Fixpunkten ist am Gipfelgrat des Großglockners (vor allem bei viel Verkehr) alles andere als angenehm und eher mühsam. Es trägt nicht gerade zur Motivation bei, wenn man ständig von schnelleren Seilschaften überholt wird. Vor allem wenn der Grat eingeschneit und dadurch noch enger ist.

Die “normalen” Fotos im Beitrag sind übrigens von Philipp Constantin Doblhoff & Hannes Wurzwallner – Danke nochmal dafür!

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